„Die Hausordnung gibt uns eine klare Handlungsgrundlage“

17.04.2026 von Andrea Drese in Campus
Die MLU hat eine neue Hausordnung. Warum die Überarbeitung nach 25 Jahren notwendig war, was sich ändert und warum Themen wie respektvoller Umgang und politische Neutralität im neuen Regelwerk stehen, erklärt Rektorin Prof. Dr. Claudia Becker im Gespräch mit campus halensis.
Rektorin Claudia Becker im Interview
Rektorin Claudia Becker im Interview (Foto: Anna Kolata)

Die Hausordnung ist überarbeitet worden. Warum gerade jetzt?
Claudia Becker: Wir haben uns insgesamt angeschaut, welche Regularien wir an der Universität haben. In vielen Bereichen prüfen wir derzeit Prozesse, stellen uns neu auf. In diesem Kontext haben wir auch die bestehende Hausordnung in den Blick genommen. Nach etwa 25 Jahren war es einfach an der Zeit, sie zu aktualisieren und an heutige Entwicklungen anzupassen.

Was hat sich denn so verändert, dass eine Anpassung notwendig wurde?
Es sind viele kleine und größere Entwicklungen. Ein Beispiel: Drohnen. Vor einigen Jahren spielte das keine Rolle. Heute steht plötzlich jemand auf dem Campus und lässt eine Drohne steigen – und man fragt sich: Darf der das eigentlich? Solche Fragen waren bisher gar nicht geregelt. Insgesamt ging es darum, die Ordnung wieder auf den aktuellen Stand zu bringen.

In der neuen Hausordnung wird in §3 Absatz 2 ein respektvolles und tolerantes Miteinander besonders betont. Warum war es Ihnen wichtig, diesen Aspekt so deutlich zu verankern?
Wir haben uns natürlich im Vorfeld auch mit den Hausordnungen anderer Universitäten beschäftigt und dabei festgestellt, dass dieser Aspekt dort ebenfalls integriert ist. Das spiegelt gesellschaftliche Entwicklungen wider. Werte wie ein achtsamer und respektvoller Umgang miteinander sind nicht mehr überall selbstverständlich. Umso wichtiger ist es, sie klar zu benennen. Die Universität steht für Demokratie, Vielfalt, Toleranz und Weltoffenheit – diese Werte zählen zu unserem Selbstverständnis. Sie sind an vielen Stellen niedergeschrieben. Wir haben unter anderem ein ausführliches Statement auf unserer Homepage. Mit der Aufnahme in die Hausordnung unterstreichen wir, dass wir diese Haltung auch im Alltag verbindlich leben wollen.

Gleichzeitig werden bestimmte Symbole und Ausdrucksformen – etwa fremdenfeindliche oder verfassungswidrige – ausdrücklich untersagt. Was war der Hintergrund für diese Konkretisierung? 
Das ist eine konsequente Ergänzung. Verfassungswidrige Symbole sind ohnehin verboten – das muss unmissverständlich sein und auch formuliert werden. Darüber hinaus geht es aber auch um den Umgang miteinander: wie wir uns begegnen, miteinander sprechen, wie wir auftreten. Das fällt alles unter unseren Anspruch eines respektvollen und achtsamen Miteinanders.

Gab es konkrete Anlässe für diese Ergänzungen?
Nichts, was flächendeckend problematisch wäre – aber doch Situationen, die zeigen: Es ist sinnvoll, hier klarer zu sein. Gleichzeitig geht es auch darum, Sensibilität zu schaffen. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, soll es angesprochen werden.

Welche Rolle spielt die Hausordnung dabei konkret im Alltag?
Sie gibt Orientierung – und sie gibt Rückhalt. Beschäftigte haben damit etwas in der Hand, auf das sie sich beziehen können, wenn es zu Verstößen kommt. Das ist ein wichtiger Punkt. Es geht nicht nur darum, Regeln zu formulieren, sondern auch darum, handlungsfähig zu sein und im Zweifel klar sagen zu können: So ist der Umgang hier nicht vorgesehen und wir dulden das nicht.

Ein weiterer Punkt ist die Einschränkung politischer Werbung vor Wahlen. Wie ist das zu verstehen?
Die Universität ist ein Ort des freien und kontroversen Diskurses – das bleibt selbstverständlich auch so. Politische Bildung gehört ausdrücklich dazu. Was wir aber nicht wollen, ist klassische Wahlwerbung für Parteien in einem bestimmten Zeitraum vor Wahlen auf dem Campus. Hier haben wir uns für sechs Monate entschieden. Damit schaffen wir einen Rahmen, der die Neutralität der Institution wahrt.

Wie wird die Einhaltung der Hausordnung künftig sichergestellt?
Die Hausordnung gibt uns vor allem eine klare Handlungsgrundlage. Sie ermöglicht es beispielsweise, unzulässige Aushänge zu entfernen oder auf Regelverstöße zu reagieren. Gleichzeitig bleibt es eine gemeinsame Aufgabe aller Universitätsangehörigen, diese Regeln im Alltag umzusetzen.

Wenn man das zusammenfasst: Was ist der Kern der Überarbeitung? Was ändert sich konkret im Alltag?
Es geht nicht um einen großen Umbruch. Viele Dinge waren schon Praxis. Aber wir haben sie aktualisiert, präzisiert und an heutige Anforderungen angepasst. Zum Beispiel auch beim Thema Sicherheit: Dass Rettungswege freizuhalten sind, ist selbstverständlich – jetzt steht es auch ausdrücklich drin. Oder dass Schäden und Gefahren gemeldet werden müssen. Und im Zweifel eben auch eigenständig gehandelt wird. Auch die Nutzung von Hörsälen und an deren Räumen für Veranstaltungen, die ein größeres öffentliches Interesse erwarten lassen, haben wir detaillierter aufgenommen. Die Hausordnung bildet damit einen klaren Rahmen für den Alltag – als Orientierung und als Grundlage, um im Bedarfsfall auch konsequent handeln zu können.

Was regelt die Hausordnung an der MLU?

Die Hausordnung dient der Vorsorge und Durchsetzung der Sicherheit und Ordnung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Sie legt die grundlegenden Regeln für das Miteinander auf dem Campus fest und schafft Orientierung für Studium, Lehre und Arbeit.

Wichtige Inhalte sind:

  • Umgang und Verhalten (z.B. respektvoller Umgang, gegenseitige Rücksichtnahme)
  • Nutzung von Gebäuden und Flächen (Hörsäle, Arbeitsräume, Aushänge, Veranstaltungen)
  • Umgang mit politischen und gesellschaftlichen Themen (z.B. Bannmeile vor parteipolitischen Wahlen)
  • Sicherheit und Ordnung (z. B. Brandschutz, Fluchtwege, Verhalten bei Gefahren)
  • Verantwortung aller Universitätsangehörigen (z. B. Melden von Schäden oder Störungen, Einhaltung der Regeln)

Link: https://www.verwaltung.uni-halle.de/KANZLER/ZGST/ABL/2026/26_04_00.pdf

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