Botanik digital: Moderne Lehre im Biologicum

04.04.2019 von Laura Krauel in Campus, Studium und Lehre
Wie Pflanzen aufgebaut sind und wie man mit dem Mikroskop arbeitet, lernen Erstsemester-Studierende der Biologie, der Biochemie und des Lehramts im botanischen Grundpraktikum. Lange Zeit konnten sie sich über das im Mikroskop Gesehene nur durch mündliche Beschreibungen austauschen. Jetzt gibt es den deutschlandweit ersten digitalen Botanik-Kursraum an der Uni Halle, der das Problem löst. Das Konzept dafür hat der Biologe Dr. Martin Schattat entwickelt.
Was die Studierenden am Mikroskop sehen, wird gleichzeitig auf der Leinwand eingeblendet.
Was die Studierenden am Mikroskop sehen, wird gleichzeitig auf der Leinwand eingeblendet. (Foto: Laura Krauel)

30 Mikroskope stehen auf den Tischen des Botanik-Kursraums im Biologicum der Uni. An ihnen sitzen Studierende, die sich Präparate von Windengewächsen anschauen. Das Besondere daran: Die Mikroskope sind mit einer modernen Kamera ausgestattet und mit dem Computer des Dozenten sowie dem Raumprojektor vernetzt. Sobald der Dozent auf seinem Bildschirm eine interessante Mikroskopie entdeckt, kann er sie für den gesamten Kurs an die Wand projizieren. „Ich kann dadurch das Wissen mit allen Studenten gleichzeitig teilen und den Aufbau der Pflanzen oder bestimmte Vorgänge direkt am Präparat, das die Studenten selbst angefertigt haben, erklären“, sagt Dr. Martin Schattat. Der Biologe lehrt Allgemeine Botanik an der Uni Halle und leitet die Grundpraktika der Erstsemester. Er hat das Konzept für die Modernisierung des Kursraums an der MLU entwickelt, das mithilfe von Hochschulpaktmitteln und der Carl Zeiss AG, die auf dem Gebiet der Digitalisierung von Klassenzimmern forschungsführend ist, umgesetzt wurde. Die Gesamtkosten lagen bei rund 140.000 Euro. Der Raum wurde im Sommersemester 2018 eingerichtet und wird seit dem Wintersemester 2019 regulär genutzt.

„Deutschlandweit ist es der modernste Botanik-Kursraum an einer Uni. In Halle ist das botanische Grundpraktikum deshalb einzigartig“, so Schattat. Die vorherige Ausstattung wurde 15 Jahre lang intensiv genutzt und zeigte große Verschleißerscheinungen. „Bei der Arbeit mit den klassischen Mikroskopen sind mir aber auch Probleme in der Lehre aufgefallen. Es ist seit über 100 Jahren so, dass die Dozenten beschreiben, was die Studierenden im Mikroskop sehen sollen. Die Arbeit beruht also auf mündlicher Kommunikation, gestützt von Bildern in Lehrbüchern, und ist wenig interaktiv“, erklärt der Biologe. Da die Natur wandlungsfähig ist, sei jedes Präparat auch immer etwas anders. Mit klassischen Mikroskopen könne während des Kurses nicht auf die Besonderheiten eingegangen werden.

Lange wurde die Leistung der Studierenden außerdem nur anhand ihrer mikroskopischen Zeichnungen überprüft. Die Dozenten konnten meist kaum nachvollziehen, ob die Studierenden ihre Kenntnisse praktisch anwenden konnten und es sich dabei tatsächlich um eine Zeichnung des jeweiligen Präparats handelte. Mit der Kamera am Mikroskop können die Studierenden jetzt Fotos vom Objekt machen, die sie speichern und auch noch später ansehen können. Da sie so die Möglichkeit bekommen, mit den Fotografien nach dem Praktikum zu lernen, können die Dozenten das Wissen jetzt auch effektiver mithilfe eines computergestützten Tests abfragen. Positive Effekte seien aber auch schon bei der Arbeit im Kursraum zu erkennen. „Dadurch, dass man sich alles gemeinsam ansehen kann, beschäftigen sich die Studierenden intensiver damit. Man merkt bei ihnen auch einen gewissen Enthusiasmus, etwas am Präparat zu entdecken und mit den anderen zu teilen“, sagt Schattat.

Die Technik wird jedoch nicht allein für das botanische Grundpraktikum genutzt. In Zusammenarbeit mit dem LLZ entwickeln Studierende damit im Rahmen einer ASQ-Veranstaltung digitale Lerninhalte. Die Videos und Bilder werden mit erklärenden Texten im Internet veröffentlicht, sodass im Verlauf der Zeit eine Wissensquelle für die Studierenden der MLU, Schulen und andere Universitäten entsteht. Der Raum kann zur Langen Nacht der Wissenschaften besichtigt werden und steht nicht zuletzt auch dem „Schulbüro – Prologe“ und Projekten wie der Kinderuni zur Verfügung, um zukünftige Studierende für das Studium zu begeistern.

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Biologie

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