Weihnachtsmann. Die wahre Geschichte

20.12.2012 von Sarah Huke in Varia, Personalia
Wer ist eigentlich dieser alte Mann mit dem endlosen weißen Bart und dem kindlichen Gesicht mit roten Wangen? Es ist Shou Xing, der chinesische Gott des langen Lebens. Oder doch der bekannte und in diesen Tagen besonders beliebte Weihnachtsmann?
Ene, mene, muh und raus bist du: Weihnachtsmänner im Vergleich. (Buchcover: Fischerverlage)
Ene, mene, muh und raus bist du: Weihnachtsmänner im Vergleich. (Buchcover: Fischerverlage)

Kurz vor Weihnachten. Menschenmassen hetzen durch die Geschäfte, kaufen in letzter Minute Geschenke für ihre Lieben. Nasse Füße auf dem Weihnachtsmarkt sind garantiert. Nicht vom Schnee, sondern vom Dauerregen. Derweil in San Fransisco: Auf der Suche nach einer neuen Teekanne ist Professor Thomas Hauschild in China-Town gelandet. Der Verkäufer nimmt dem Ethnologen die kleine, als Figur getarnte Kanne aus der Hand: „That’s Chinese Santa Claus!“ – Hauschild mustert den alten Porzellanmann und ist verblüfft. Shou Xing und der Weihnachtsmann: Warum sind sie sich so ähnlich?

Thomas Hauschild ist auch mit dem Weihnachtsmann groß geworden.
Thomas Hauschild ist auch mit dem Weihnachtsmann groß geworden.

Globale Verflechtungen sind kein Phänomen der Neuzeit: Schwarzpulver, Rituale des Gabentauschs und der weißbärtige Wintergott bahnten sich schon früher ihre Wege über den Erdball. Letzterer als Nikolaus von Myra, Santa Claus oder auch als Personifikation des Polarsterns und als chinesicher Gott des langen Lebens. „Figuren, die sich alle sehr ähnlich sehen und auf Traditionen aus ganz Eurasien zurückgehen“, erklärt der Ethnologe in seinem Buch „Weihnachtsmann. Die wahre Geschichte“.

Ende Dezember: Der Höhepunkt des Winters ist erreicht und die Tage werden langsam wieder heller. „Schon in vorchristlicher Zeit haben sich die Menschen gefragt, ob ihre Vorräte noch ausreichen und wer sie verbrauchen darf. Wo zum Beispiel schriftliche Verträge noch nicht gängig waren, und zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, wurden von Stämmen und frühen Staaten Rituale rund um den Gabentausch entwickelt. Personifikationen dieser Feste halfen, sie im kollektiven Gedächtnis zu etablieren“, erzählt Hauschild. „Die frühsten schriftlichen Quellen zu diesen Gestalten stammen aus Asien, aus Altindien und China.“

Der Weihnachtsmann ist also ein Chinese? „Ganz so einfach ist es nicht“, erklärt Hauschild. „Die ältesten Abbildungen wiederum wanderten vielleicht erst im 7./8. Jahrhundert von Kleinasien über die Seidenstraße nach China und kommen wohl aus der orthodoxen Kirche. Aber ganz aufklären kann man die Geschichte der Wanderung noch nicht. Mir geht es auch mehr darum, auf das Geflecht von Bräuchen und Bildern hinzuweisen. Der Ursprung des Weihnachtsbrauches ist nicht nur im westlichen Europa zu suchen. Auch nicht im christlichen Fest allein.“

Die Menschheit rückt immer weiter zusammen und der christliche Gedanke schwindet zurzeit aus dem Weihnachtsfest. Menschen, ob gläubig oder nicht, zelebrieren die Festtage auf ihre Art und Weise. „Weihnachten hängt mit einer Fülle von christlichen und nichtchristlichen Winterbräuchen zusammen und Christ-Sein funktioniert auch ohne das ganze Drumherum. Das Buch ist mein Beitrag zur Wiederherstellung des Weihnachtsmanns als globaler winterlicher Gabenbringer.“

Weihnachtsmann. Die wahre Geschichte (Fischerverlage)
Weihnachtsmann. Die wahre Geschichte (Fischerverlage)

„Schon vor über 20 Jahren hat mich ein Freund, der Asienforscher Reinhard Greve, auf die Ähnlichkeit des chinesischen Wintergottes und des westlichen Weihnachtsmanns hingewiesen. Nach und nach habe ich immer mehr Informationen zusammengetragen“, erzählt Hausschild. Gute kollegiale Unterstützung am Seminar für Ethnologie machten es ihm möglich, ein Jahr als Senior Fellow am Kolleg „Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa“ der Ruhr-Universität Bochum zu verbringen und seine Erkenntnisse aufschreiben. „Das schönste Sachbuches des Jahres“ ist daraus entstanden, wie die FAZ findet.

Die Filmrechte sind vergeben, die erste Auflage ausverkauft, neue Bücher werden nachgedruckt. Bereit für eine Reise um die Welt: Die „wahre Geschichte“ der Weihnachtsmänner. Text: Sarah Huke

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