War Jesus am Kreuz wirklich tot?

08.11.2011 von Corinna Bertz in Forschung, Wissenschaft
Welche historischen Fakten zur Auferstehung Jesu sind wissenschaftlich anerkannt? Dieser und ähnlichen Fragen begegnete der Theologie- und Philosophieprofessor Gary Habermas von der Liberty University, Lynchburg, USA, Ende Oktober 2011 mit einem Beitrag im Rahmen der Vortragsreihe „Wissenschaft und Glaube”. Vor rund 75 interessierten Studenten und Dozenten der Martin-Luther-Universität sprach der international anerkannte Experte über den wissenschaftlichen Forschungsstand zur Auferstehung Jesu.
Dr. Gary Habermas, Distinguished Research Professor and Chair in the School of Religion's Department of Philosophy is photographed in Pate Chapel for the Liberty Journal on December 5, 2008. (Photo by Jerome Sturm)
Dr. Gary Habermas, Distinguished Research Professor and Chair in the School of Religion's Department of Philosophy is photographed in Pate Chapel for the Liberty Journal on December 5, 2008. (Photo by Jerome Sturm)

Die sogenannte Jesusforschung ist ein aktueller Wissenschaftsgegenstand. Professor Habermas beschäftigt sich seit seiner Dissertation mit der Frage der Auferstehung von Jesus. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Artikel zum Leben und Wirken Jesu und hat oft öffentliche Debatten darüber geführt, unter anderem mit dem kürzlich verstorbenen Atheisten Antony Flew, mit dem er befreundet war.

In seinem Vortrag zeigte Habermas Forschungsansätze zur Frage der Auferstehung von Jesus Christus auf. Während das Ereignis der Auferstehung von Jesus um das Jahr 30 n. Chr. angenommen wird, schrieb der Evangelist Johannes seine Aufzeichnungen über Jesu Leben erst ca. 65 Jahre später auf. Gary Habermas betonte in seinem Vortrag, dass das Johannesevangelium, das in der Forschung als das späteste gilt, weitaus dichter an den Ereignissen ist, als etwa die älteste Biographie Alexanders des Großen, die Plutarch etwa 400 Jahre nach Alexanders Tod verfasste.

In der Wissenschaftsdiskussion am weitesten verbreitet ist ein Forschungsansatz, der primär die Briefe des Apostels Paulus heranzieht. Habermas wies darauf hin, dass die sogenannten ‚authentischen Briefe‘ des Apostels auch von kritischen Wissenschaftlern zur Nachforschung über die Auferstehung herangezogen werden.

Anhand einer anschaulichen Zeitleiste erklärte Habermas, wann der Apostel Paulus lebte und wann er das Zeitzeugenmaterial bekam, das er in seinen Briefen zitiert. Paulus traf die Jesus-Jünger Jakobus und Petrus, die den auferstandenen Jesus persönlich bezeugten, etwa fünf Jahre nach der Auferstehung in Jerusalem. Der 1. Korintherbrief, dessen 15. Kapitel die Aufzählung von Zeugen enthält, wurde um 51 n. Chr. von Paulus geschrieben. Außer Petrus und Jakobus nennt Paulus eine Gruppe von 500 Männern sowie die Gruppe der Apostel. Da er das dort Geschriebene viele Jahre zuvor erfahren hatte, lassen sich die Berichte über die Auferstehung bis ins Jahr des Ereignisses selbst zurückführen. Die Berichterstattung über die Auferstehung ist also historisch-wissenschaftlich zuverlässig. Der Glaube setzt ein, wo man sich heute persönlich mit den Berichten und der eigenen Reaktion darauf auseinandersetzt.

Nach dem Vortrag, der auf englischer Sprache gehalten wurde, machten mehrere Zuhörer aus dem Publikum von der Möglichkeit Gebrauch, Fragen an den Referenten zu stellen. Sie konfrontierten ihn unter anderem mit der Frage, ob Jesus am Kreuz wirklich tot gewesen sei. Habermas Argumente für den tatsächlichen Tod: Erstens gebe es moderne medizinische Untersuchungen, wonach eine Kreuzigung sicher zum Tod führt. Zweitens verwies er auf die Speerwunde, die Jesus am Kreuz zugefügt wurde und aus der Blut und Gewebewasser austrat. Drittens sei zu bezweifeln, dass ein so schwer verwundeter Jesus von Augenzeugen als ‚auferstanden' erlebt worden wäre.

Am Ende des interessanten Vortrags verwies Professor Habermas auf seine Website, auf der viele seiner Veröffentlichungen zum Thema „Die Auferstehung Jesu“ frei zugänglich sind: http://www.garyhabermas.com

Zu diesem Hörsaalvortrag Ende Oktober hatten die Theologieprofessoren Dr. Dirk Evers und Dr. Jörg Ulrich und Prof. Dr. Peter Imming vom Institut für Pharmazie eingeladen.

Text: Prof. Dr. Peter Imming

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