Vorlesungsreihe gegen das Vergessen: "Armenier im Osmanischen Reich"

08.10.2015 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Varia, Campus
Der Völkermord an den Armeniern ist 100 Jahre her. Mit einer Ringvorlesung gedenkt das Orientalische Institut ab 14. Oktober gemeinsam mit der Arbeitsstelle für Armenische Studien (MESROP) unter der Leitung von Prof. Dr. Armenuhi Drost-Abgarjan dieses Ereignisses und setzt sich zugleich wissenschaftlich mit dem Genozid auseinander. Studierende können die Reihe mit dem Titel „Armenier im Osmanischen Reich“ auch als ASQ-Veranstaltung belegen.

Mehr als eine Million Armenier starben während des Ersten Weltkriegs auf Todesmärschen und bei Massakern unter Verantwortung des Osmanischen Reichs. Damit die Tragödie von damals nicht in Vergessenheit gerät, hat Prof. Dr. Armenuhi Drost-Abgarjan die Vorlesungsreihe „Armenier im Osmanischen Reich“ ins Leben gerufen. In der Reihe sollen die unterschiedlichen Aspekte und Zeitabschnitte des Völkermord betrachtet und diskutiert werden. „Die Vorlesungsreihe deckt auch das Vor- und Nachspiel dieses traumatischen Ereignisses ab. Bereits vor dem Jahr 1915 hat es massive Übergriffe gegeben. Der Genozid an den Armeniern dauerte mindestens bis in das Jahr 1920 an", sagt Drost-Abgarjan.

Prof. Dr. Armenuhi Drost-Abgarjahn
Prof. Dr. Armenuhi Drost-Abgarjahn
(Foto: privat)

Neben Politikwissenschaftlern werden auch Wissenschaftler der Rechts- und Zeitgeschichte, der Literatur, Medien, Architektur und Musik aus Norwegen, Berlin, Leipzig, Jena, Erlangen-Nürnberg und Halle als Referenten erwartet. Sie sprechen über rechtliche und aktuelle Aspekte des Völkermords, dessen Rezeption in Forschung, Literatur und Kunst, sowie über soziale Strukturen, Bildung und die Kirche der Armenier im Osmanischen Reich.

„Um diesen Genozid wirklich zu verstehen, müssen unterschiedlichste geschichtliche und geopolitische Umstände berücksichtigt werden“, so Armenuhi Drost-Abgarjan. Aus diesem Grund sei die Vortragsreihe so wichtig. „Gerade weil die Aufarbeitung der Ereignisse so kompliziert ist, braucht es einen wissenschaftlichen Rahmen, um sich mit der Thematik unabhängig auseinanderzusetzen“, erklärt die Armenienforscherin.

Denn die Aufarbeitung sei eine drängende Aufgabe. „Wie können wir über aktuelle Völkermorde oder derer künftigen Prävention sprechen, ohne die vergangenen überhaupt anzuerkennen?" Mit der Vortragsreihe soll ein aktiver Beitrag gegen das Vergessen geleistet werden. „Das Thema muss in der Gesellschaft präsent bleiben. Auch die junge Generation muss davon erfahren“, so Drost-Abgarjan. Dafür will die gebürtige Armenierin, die seit 30 Jahren an der Uni Halle tätig ist, das Gedenkjahr nutzen.

Cover der Publikation "Blutige Briefe einer Freundin"
Cover der Publikation "Blutige Briefe einer Freundin"

Die in Halle betriebene Armenienforschung ist deutschlandweit einzigartig. Armenuhi Drost-Abgarjan lehrt und forscht am Orientalischen Institut und leitet das dort angesiedelte interdisziplinäre MESROP Zentrum für Armenische Studien. Von 2010 bis 2014 hatte sie die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst geförderte Gastdozentur für Armenologie inne.

Im Gedenken an den Genozid ist im September unter ihrer Beteiligung auch das deutsch-armenische Buch "Blutige Briefe einer Freundin" erschienen. Die darin enthaltenen übersetzten Texte, stammen von dem armenischen Dichter Siamanto, der 1915 von Verantwortlichen des Osmanischen Reichs ermordet wurde. Es entstand durch eine Zusammenarbeit des MESROP-Zentrums mit dem Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt e.V. und der Burg Giebichenstein Kunsthochschule.

Die Ringvorlesung beginnt am 14. Oktober um 18 Uhr in Hörsaal II, in der Emil-Abderhalden-Str. 28 am Steintor-Campus. Die Reihe findet unter der Schirmherrschaft der Kultusminister der beiden Partnerländer Republik Armenien und Sachsen-Anhalts statt und kann auch als ASQ-Veranstaltung belegt werden. Bis zum 14. Oktober können sich Studierende dafür über StudIP oder bei direkt der ersten Vorlesung noch anmelden. Leef Hansen

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