Von Kairo verzaubert

08.05.2014 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Campus
Jasmin Weinert war schon oft in Kairo: Praktikum, Auslandssemester, die ägyptische Revolution und neue Freunde – sie hat vieles in dem fernen Land erlebt. Diesen Sommer reist sie wieder in die Stadt am Nil. Wie sehr Kairo ihr Leben geprägt und verändert hat, erzählt die Masterstudentin der Ethnologie an dieser Stelle.
Eindrücke aus Kairo. "Ich habe erkannt, dass ein großer Teil der Gesellschaft gar nicht so unterschiedlich von unserer eigenen ist", sagt Jasmin Weinert.
Eindrücke aus Kairo. "Ich habe erkannt, dass ein großer Teil der Gesellschaft gar nicht so unterschiedlich von unserer eigenen ist", sagt Jasmin Weinert. (Foto: Jasmin Weinert)

Vor über einem Jahr kam Jasmin Weinert mit ihrem ägyptischen Freund, den sie schließlich heiratete, von ihrem letzten Kairo-Aufenthalt zurück nach Deutschland. Die nächste Reise in die ägyptische Hauptstadt ist auch schon geplant. Als Modulleistung und Grundlage für ihre Masterarbeit will sie in den Sommersemesterferien für drei Monate Feldforschung in der Millionenstadt betreiben. „Ich möchte mit Jugendlichen, die als Rebellen eine große Rolle in der Revolution spielten, sprechen, wie sie ihre Lage und die Situation in Kairo wahrnehmen. Es soll eine teilnehmende Beobachtung mit Videos, Fotografien und Interviews werden“, erklärt die Studentin.

Dabei interessieren sie vor allem die sprachlichen Aspekte: „Es wird viel über Sarkasmus und Ironie verarbeitet, was meiner Meinung nach ein kulturelles Spezifikum ist, da wir Deutsche damit anders umgehen. Darauf will ich mich konzentrieren.“ Ihr Interesse für das Land wurde zum Teil durch frühere Aufenthalte, zum Teil durch ihr Studium der Nahoststudien und der Ethnologie geweckt.

„Alles fing mit einem Praktikum in der Non-Profit-Organisation Desert Development Center in Kairo an, welches ich über die Studierendenorganisation AISEC vermittelt bekam“, erinnert sie sich. Ihr Interesse für Ägypten als Land selbst und der Wunsch nach einem besseren Verständnis für die arabische Sprache haben sie dazu bewegt. „In der Uni lernt man Arabisch eher als Schriftsprache und nicht so, wie es gesprochen wird.“

Sei es das Zusammenleben mit anderen Praktikanten auf engstem Raum oder eine Millionenstadt wie Kairo – es braucht seine Zeit, ehe man sich zu Recht findet und wohl fühlt. Jasmin Weinert erzählt von ihrem anfänglichen Leben in der Stadt: „Mit meinen Mitbewohnerinnen habe ich mir zu viert ein Zimmer geteilt – jeweils ein Bett für zwei Personen.“ Da das nicht lange gut ging, zog sie in ein Hostel mitten in der Stadt.

„Die Innenstadt bietet Ausländern und Touristen ein offeneres Leben und ich habe erkannt, dass ein großer Teil der Gesellschaft gar nicht so unterschiedlich von unserer eigenen ist. Mit der Zeit habe ich Kairo von der Seite kennengelernt, wie ich es mir vorgestellt hatte.“ Auch die Revolution bekam sie hautnah mit: „Ich musste am Tahrir-Platz umsteigen und bekam Tränengas in die Augen“, erzählt Jasmin Weinert. Mit der Zeit lernte sie immer mehr ägyptische Freunde kennen und schließlich auch ihren jetzigen Ehemann. Aus der anfänglich schlechten Erfahrung mit Praktikum und Mitbewohnern, wurde eine schicksalhafte, die sie für immer mit dem Land verbinden wird.

Mit einem Promos-Stipendium an die Cairo University

Für ein Auslandssemester im Masterstudium ging sie, finanziell unterstützt durch PROMOS, an die ägyptische Cairo University. An der Faculty of Economics and Political Science belegte sie zwei Kurse der Politikwissenschaften und beschäftigte sich mit der Politik im arabischen und afrikanischem Raum. Ganz so glücklich war sie mit dem Auslandsstudium aber nicht: „Die Uni hat mich nicht so erfüllt. Alles musste auswendig gelernt werden, Vorlesungen wurden diktiert und es gab keine Diskussionen.“

(Fotos: Jasmin Weinert)Das Auslandssemester habe ihr geholfen offener auf Menschen zuzugehen, sagt die Masterstudentin. Negative Erfahrungen gehören genau wie positive zu einem Auslandsaufenthalt dazu. Als Frau habe man es in Kairo nicht leicht. So müsse man mit vielen unangenehmen Blicken auf der Straße klar kommen. Auch das Tragen langer Kleidung im Sommer sei nicht immer leicht gewesen. „Ägypten ist ein sehr konservatives und religiöses Land“, sagt Jasmin Weinert.

In ihrem Abschlussbericht berichtet sie ausführlich über ihre Erfahrungen als Austauschstudentin in Kairo. Auch nach ihrem Auslandssemester war ihre Zeit in Ägypten war noch nicht vorbei. Ein dreimonatiges Praktikum beim Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) folgte. „Dass war eine richtig gute Erfahrung“, erinnert sich Jasmin Weinert. „Durch meine ägyptischen Kollegen habe ich nochmal ein ganz anderes Ägypten kennengelernt“, so die Masterstudentin weiter.

Zu ihren Aufgaben gehörten das Übersetzen und Korrigieren von Texten, Verfassen von Berichten für die Webseite und der Vorbereitung von Sprachtests. „Ich habe aber auch auf Messen den DAAD vorgestellt, da wir Ägypter dazu motivieren wollten sich für ein Auslandsstudium nach Deutschland zu bewerben“. Susanne Mondzech

Auf ihrem Foto-Blog veröffentlicht Jasmin Weinerts Bilder aus ihrer Zeit in Ägypten: www.asleep-among-accordions.blogspot.de

Schlagwörter

Kommentar schreiben