Rilkes Hortensien und Döblins Butterblume: Workshop zur Natur in der Literatur

06.07.2017 von Jan-Luca Müller in Studium und Lehre, Campus
„Sah ein Knab ein Röslein stehen …“ schrieb Goethe einst. Seit der Antike gehören Pflanzen, Blüten und Früchte zu den Grundmotiven der Literatur. Die Bedeutung der Natur für die Poesie haben Studierende der Universität Halle jetzt ein Semester lang erforscht. Ihre Ergebnisse werden sie am 6. und 7. Juli auf einem Workshop im Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau präsentieren.
Von links: Dr. Jana Kittelmann mit den beiden Studierenden Laurenz Balzarek und Hannah Uhlen im Botanischen Garten in Halle, den bereits Goethe im Jahr 1802 besuchte.
Von links: Dr. Jana Kittelmann mit den beiden Studierenden Laurenz Balzarek und Hannah Uhlen im Botanischen Garten in Halle, den bereits Goethe im Jahr 1802 besuchte. (Foto: Jan-Luca Müller)

Goethes „Metamorphose der Pflanzen“, Heinrich Heines „Mondscheintrunkene Lindenblüten“, Alfred Döblins „Ermordung einer Butterblume“: All das sind literarische Werke, bei denen die Natur im Vordergrund steht. Im Rahmen des Seminars „Pflanzen, Blüten und Früchte in der Literatur“ hat Dr. Jana Kittelmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Interdisziplinären Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA), gemeinsam mit ihren Studierenden einen Blick auf das wiederkehrende Motiv der Botanik in der Literatur aus der Zeit um 1800 geworfen.

Handschrift des Gedichts „Gingko Biloba“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1815
Handschrift des Gedichts „Gingko Biloba“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1815
(Foto: Wikipedia)

Zwölf Studierende aus den Fachrichtungen Germanistik, Philosophie und Geschichte forschten an der Schnittstelle von Literatur und Natur. „Eine zentrale Figur dabei ist Goethe, der sich intensiv botanischen Studien gewidmet und diese in seinen Gedichten poetisch verarbeitet und reflektiert hat“, erklärt Kittelmann. Aber auch andere Autoren wie Rainer Maria Rilke, Alexander von Humboldt und Hermann von Pückler-Muskau beschäftigten sich mit dieser Thematik.

Die Ergebnisse des Seminars werden die Studierenden am 6. und 7. Juli auf dem Workshop „Literarische Botanik – Botanische Literatur um 1800“ im Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau der Öffentlichkeit präsentieren. Neben einer szenischen Lesung werden einige von ihnen Vorträge halten und die anschließende Diskussion moderieren. So auch Laurenz Balzarek, Masterstudent im Studiengang „Kulturen der Aufklärung“ an der Uni Halle: Er hat sich mit den Werken „Blaue Hortensie“ und „Rosa Hortensie“ von Rainer Maria Rilke auseinandergesetzt, der als einer der bedeutendsten Vertreter der literarischen Moderne gilt.

Dichter beschrieben Gefühle statt Pflanzen

„Für Rilke muss eine Pflanze nicht gelesen oder interpretiert werden, sondern sie steht für sich“, sagt Balzarek. Im Gegensatz zum Naturalismus und der Naturlyrik gehe es um 1900 nicht mehr um die Ästhetik und Beschreibung einer Pflanze. „Rilke löst das Objekt komplett aus seiner Umgebung heraus und beschränkt sich auf die Wahrnehmung und auf die Gefühle, die die Pflanze bei einem auslöst“, erklärt er. „In seiner Dinglyrik ist die Pflanze nicht direkt präsent, sondern wird erst dadurch präsent, dass man beschreibt, wie man sie wahrnimmt.“ Neben dem Vortrag über die Lyrik von Rainer Maria Rilke darf sich das Publikum im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau außerdem auf Beiträge zu den Werken Alexander von Humboldts und Anna Louisa Karschs freuen.

Workshop und Lesung im Park

Die Idee für das Seminar und den Workshop ist aus einer langjährigen Zusammenarbeit Kittelmanns mit der Stiftung „Fürst-Pückler-Park“ entstanden. Gemeinsam veranstalten sie Workshops und Tagungen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. „Da es im September eine große internationale Tagung zu Botanik und Ästhetik geben wird, bot es sich an, das Thema auch in einem Seminar zu behandeln und mit Studierenden daran zu arbeiten“, so Kittelmann.

Die Exkursion in den Fürst-Pückler-Park markiert den Abschluss der Lehrveranstaltung. „Bereits das Seminar war sehr konstruktiv und hat eine Menge Spaß gemacht“, erklärt Hannah Uhlen, die ebenfalls Kulturen der Aufklärung sowie Deutsche Literatur und Kultur studiert. „Ein Kommilitone hatte sogar eine abgeschlossene Ausbildung als Landschaftsgärtner – so etwas belebt und bereichert das Ganze natürlich.“

Was den Workshop angeht, so erhofft sich die Masterstudentin neue Perspektiven in Bezug auf das Thema Botanik und Literatur sowie einen regen Wissensaustausch mit dem Bad Muskauer Publikum. Auch Kittelmann ist zuversichtlich. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des IZEA wünscht sich vor allem: „Gute Gespräche, anregende Diskussionen und sonniges Wetter.“

Informationen zur Veranstaltung

Der Workshop „Literarische Botanik – Botanische Literatur um 1800“ findet am 6. und 7. Juli 2017 im Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau statt. Das Event wird in Kooperation mit der Alexander-von-Humboldt-Professur für neuzeitliche Schriftkultur und europäischen Wissenstransfer (Lehrstuhl Elisabeth Décultot) sowie der Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“ veranstaltet.

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