Raritäten aus der Weltkriegssammlung

04.07.2014 von Corinna Bertz in Varia
Einzelne Seiten aus der „Deutschen Kriegszeitung“ oder auch aus satirischen Wochenzeitschriften wie der „Simplicissimus“, „Kladderadatsch“ und die „Lustigen Blätter“ sind authentische Zeitzeugen aus dem Ersten Weltkrieg. Zu sehen sind sie derzeit in einer Sonderausstellung der Universitäts-und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt (ULB), die interessante Stücke aus Beständen ihrer Weltkriegssammlung präsentiert.
Satirische Werbung „Die gute Sieben!“ für die im September 1917 aufgelegte 7. Kriegsanleihe über 12,5 Milliarden Mark aus der deutschsprachigen politisch-satirischen Zeitschrift „Kladderadatsch“
Satirische Werbung „Die gute Sieben!“ für die im September 1917 aufgelegte 7. Kriegsanleihe über 12,5 Milliarden Mark aus der deutschsprachigen politisch-satirischen Zeitschrift „Kladderadatsch“

Überall im Deutschen Reich war es zwischen 1914 und 1918 für Bibliotheken, Archive, Museen und Privatpersonen „ein Akt selbstverständlicher Pflichterfüllung“, Weltkriegssammlungen anzulegen. „Ziel war es, das Frontschrifttum des Ersten Weltkriegs zu erfassen und zu dokumentieren“, sagt Dr. Walter Müller, Fachreferent für Geschichte/Kunstgeschichte an der ULB. Nicht zuletzt sei dabei zu Beginn die Erwartungshaltung, den Krieg zu gewinnen, prägend gewesen.

„Im April 1915 initiierte der Leiter der Abteilung für Neuere Geschichte des Historischen Seminars der Universität Halle, Professor Richard Fester, die Anschaffung und systematische Sammlung von Literatur und Quellensammlungen über den am 1. August 1914 begonnenen Ersten Weltkrieg“, so Müller. Der 1928 erschienene Bestandskatalog verzeichnete bereits über 3.000 Titel. Von Anfang an war es eine „lebendige Sammlung, die für Lehr- und Studienzwecke genutzt wurde“, erklärt Müller.

Schriften oder Karikaturen, die zunächst den Krieg verharmlosten, sind ebenso in der Schau zu sehen, wie Seiten der „Täglichen Rundschau“ mit zahlreichen Todesanzeigen gefallener deutscher Soldaten, die den „Heldentod fürs Vaterland“ starben. Bereits im Frühjahr 1915 füllten sie die Spalten aller Tageszeitungen. Soldatenschicksale spiegeln sich aber auch in Feldpostbriefen, Kriegstagebüchern, Postkarten, Fotos, Drucksachen und Frontmaterial wider, von denen ebenfalls viele in der ULB aufbewahrt und einige davon hier vorgestellt werden. „Gesammelt wurde alles, um das Geschehen der Katastrophe zu dokumentieren“, so Dr. Dorothea Sommer, amtierende Direktorin der ULB.

Zwar erlitt die Sammlung in den Wirren der letzten knapp hundert Jahren manche Verluste, aber bis heute wird die Weltkriegssammlung in der Zweigbibliothek Geschichte der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle weiter geführt und gehört zu den umfangreichsten Spezialsammlungen zur Geschichte des Ersten Weltkriegs in Deutschland. Heute umfasst die Sammlung etwa 4.500 Titel. Besonders im Kleinschriftenbereich sowie bei den Kriegszeitungen aus ganz Europa enthält sie zahlreiche Raritäten. Unter anderem ist auch eine alte Ausgabe des Buches „Seeteufel. Abenteuer aus meinem Leben“ des in Halle bekannten Seekriegshelden Felix Graf Luckner zu sehen, das 1921 erstmals erschienen ist. Ute Olbertz

Titel der Schau: „Ein Akt selbstverständlicher Pflichterfüllung“ – aus der Geschichte der Weltkriegssammlung der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle

Die Sonderausstellung kann bis zum 8. August 2014 im Ausstellungsraum der ULB (August-Bebel-Straße 13, 2. Etage) werktags täglich von 9 bis 15 Uhr (freitags nur bis 12 Uhr) kostenfrei besichtigt werden.

 
Dokumente zum Ersten Weltkrieg aus Privatbesitz gesucht!
Eine weitere Ausstellung zum Thema des Ersten Weltkriegs bereitet die Zentrale Kustodie der Martin-Luther-Universität gegenwärtig im Löwengebäude vor. Sie soll am 24. Oktober 2014 unter dem Titel: „Trotz des Krieges! Die Universität Halle im 1. Weltkrieg“ eröffnet werden. Die Ausstellung widmet sich den veränderten Studienbedingungen während des Ersten Weltkrieges und zeigt die Bemühungen um die Aufrechthaltung des Lehrbetriebs. Thematisiert wird außerdem die Sorge um die im Feld stehenden Angehörigen der Universität. Mehr darüber lesen Sie im aktuellen Unimagazin.

Zu Ergänzung dieser Schau sucht das Archiv der Universität noch weitere Dokumente aus Privatbesitz. Wer etwas beisteuern möchte, kann sich unter der Rufnummer 0345 1201166 oder per E-Mail an archiv@uni-halle.de melden.

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