"Keiner will Sardine sein"

13.12.2012 von Corinna Bertz in Hochschulpolitik, Campus
Mit Plakaten, Trillerpfeifen und „Protest-Glühwein“ demonstrierten am Mittwochnachmittag (12.12.) rund 350 Studenten auf dem Uniplatz. Anlass war die Sitzung des Akademischen Senats, auf der der Rektor auch zum Stand des Strukturanpassungskonzepts informierte. Wegen des großen Interesses hatte die Unileitung den ersten Teil der Sitzung kurzfristig in einen Hörsaal verlegt.
Rund 350 Studenten demonstrierten vor Beginn der Senatssitzung, die wegen des großen Interesses zunächst in den Audimax verlegt wurde.
Rund 350 Studenten demonstrierten vor Beginn der Senatssitzung, die wegen des großen Interesses zunächst in den Audimax verlegt wurde. (Foto: Maike Glöckner)

Deborah Will gehörte zu den Studenten, die trotz der Kälte vor dem Audimax standen, um gegen Einsparpläne zu protestieren. „Ich hoffe, dass die Demo Wirkung zeigt. Schon jetzt sind alle Veranstaltungen überfüllt“, sagte die Studentin der Soziologie und Politikwissenschaften. „Wenn Stellen gekürzt werden, dann wird das nur noch schlimmer. Auch wenn mein Studiengang nicht direkt von Kürzungen betroffen sein sollte, will ich Solidarität mit den anderen Fächern zeigen.“

Zu den Protesten aufgerufen hatte das Aktionsbündnis „MLU – Perspektiven gestalten“. „Wir sind heute hier um dem Rektorat zu zeigen, dass die Studierenden an der Debatte interessiert sind“, sagte Lucio Waßill, Referent für Innere Hochschul- und Bildungspolitik des Studierendenrates (StuRa). „Die Politik muss jetzt auch Verantwortung zeigen und deshalb fordern wir die Unileitung auf, sich uns anzuschließen.“

An der MLU dürfen keine Stelle eingespart werden, fordern die Demonstranten.
An der MLU dürfen keine Stelle eingespart werden, fordern die Demonstranten.

Nach einem Pfeifkonzert sprach Rektor Udo Sträter im vollen Hörsaal über die Hintergründe, vor denen die Diskussion um Einsparungen derzeit geführt wird. (Mehr dazu im Senatsbericht) „Ein Strukturanpassungskonzept ist nötig, um künftig handeln zu können. Wir müssen deutlich machen, was bei gleichbleibenden Budget nicht mehr möglich ist.“ In dem Konzept soll stehen, wie an der Universität jährlich 3 Millionen eingespart werden können.

„2013 wird es ernst“, so Sträter. „Deshalb müssen wir diese Diskussion jetzt zügig und kompakt führen.“ Der Rektor informierte, dass er dem Senat vorschlagen werde, eine Profilkommission einzuberufen. In der Hauptarbeitsgruppe sollen unter seiner Leitung alle Statusgruppen vertreten sein. Ziel ist ein Strukturkonzept, das im Sommer 2013 in die Diskussionen mit dem Wissenschaftsrat und dem Land einfließen muss.

Viele Studierende meldeten sich anschließend zu Wort und kritisierten die Pläne der Unileitung. Sie berichteten von bereits überfüllten Seminaren und fehlendem Lehrpersonal. Hier könne nicht mehr gespart werden. „Wir haben Bereiche, in denen es in der Tat sehr voll ist. Die Studiengänge sind sehr unterschiedlich ausgelastet“, sagte der Rektor dazu. Hier helfe man zurzeit mit zusätzlichen finanziellen Mitteln aus. „Auch heute stehen Neuberufungen auf unserer Tagesordnung. Gerade enge Bereiche werden dabei berücksichtigt.“ Die Entscheidungen zur Struktur seien zudem vorläufig und nicht endgültig.

Studenten und Studierendenvertreter forderten eine bessere Information zu aktuellen Entwicklungen und Möglichkeiten der Beteiligung. „Die Dekane sprechen mit der Unileitung und wir kriegen davon kaum etwas mit“, meinte Lucio Waßill. Er erkundigte sich konkret nach Stellen in der Soziologie und in den Sportwissenschaften, wo Kürzungen befürchtet werden.

„Beide Bereiche sind Teil der Debatte. Es muss noch geschaut werden, wie diese in Gänze aufrechterhalten werden können“, antwortete Sträter. Die Universitäts-leitung wolle eine zielführende Diskussion führen, ohne „die Pferde scheu zu machen“. Zugleich werde ein System gebraucht, dass gute Ideen aus der Studierendenschaft über deren Vertreter in die Gremien kommuniziere.

Nach zwei Stunden intensiver Diskussion beendete der Rektor die Diskussion zur Strukturdebatte. Der Senat wechselte in den Hallischen Saal, wo weitere Themen besprochen wurden. „Die Sitzung hat viele der Studierenden enttäuscht und nach meiner Einschätzung hat keiner der Studierenden wirkliche Antworten vom Rektor erhalten“, bilanziert Sebastian Rhein, Öffentlichkeitsreferent des StuRa.

Weil die Senatssitzung durch den Festakt zum Zentrum für Polenstudien zeitlich befristet war, wurden nichtbehandelte Punkte auf eine Sondersitzung am 19. Dezember vertagt. Diese Sitzung soll mit dem nichtöffentlichen Teil beginnen, um aktuelle Berufungsverfahren noch 2012 abschließen zu können. Ab 15 Uhr folgt der öffentliche Teil, in dem das Rektorat u.a. erneut zum Strukturkonzept informieren wird.

Das Aktionsbündnis hat weitere Proteste angekündigt. „Wir werden nicht abwarten und dem Rektorat genau auf die Finger schauen“, sagt Sebastian Rhein. “Wir wollen nicht gegen, sondern mit dem Rektorat arbeiten. Damit wir und zukünftige Generationen in Halle das Studium erhalten, was jedem von uns zusteht.“ Text: Corinna Bertz

Weitere Eindrücke und Berichte:

Senatsbericht Bericht des StuRa Video der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

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