"Die Welt ist nicht mehr groß und gruselig"

10.05.2012 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Campus
Mit ihrem Gletscherbild aus Norwegen hat Jacqueline Kattner den ersten Preis des Erasmus-Fotowettbewerbs 2012 an der MLU gewonnen. Heute wird sie gemeinsam mit acht weiteren Gewinnern vom Internationalen Büro ausgezeichnet. Die Siegerfotos sind noch bis Ende Juni in der Cafeteria des Juridicums zu sehen. Über das Wandern im Dunkeln, Reisen an den Polarkreis und andere Erlebnisse ihrer Erasmus-Zeit hat die Geographie- und Soziologiestudentin mit scientia halensis gesprochen.
Berge, Gletscher, Fjorde - "Die meiste Zeit waren wir auf Exkursion", sagt Jaqueline Kattner, Gewinnerin des Erasmus-Fotowettbewerbs, über ihr Studium in Norwegen.
Berge, Gletscher, Fjorde - "Die meiste Zeit waren wir auf Exkursion", sagt Jaqueline Kattner, Gewinnerin des Erasmus-Fotowettbewerbs, über ihr Studium in Norwegen. (Foto: J. Kattner)
Mittagspause an der Høgskulen i Sogn og Fjordane, im Hintergrund ein Unigebäude.
Mittagspause an der Høgskulen i Sogn og Fjordane, im Hintergrund ein Unigebäude.
(Foto: Jacqueline Kattner)
Sie haben sechs Monate an der „Høgskulen i Sogn og Fjordane“ studiert. Wo ist das genau?

Die Hochschule ist in Sogndal, in Norwegen. Fjordane ist der Verwaltungskreis. Sogndal liegt am größten Fjord Norwegens, zwischen Bergen und Trondheim im Landesinneren. Die Stadt hat 7000 Einwohner.

Sie waren von August bis Dezember 2011 in Sogndal. Ist es dort schon ab Herbst früh dunkel und verschneit?

Ich bin auch nach Norwegen gegangen, weil ich sehr an Wintersport interessiert bin, aber erst am 4. Dezember gab es den ersten Schnee. Wir hatten dann also drei Wochen Zeit, noch ein bisschen Wintersport zu machen.

Anfang August war es noch lange schön hell, aber zum Ende meines Aufenthalts wurde es schon gegen halb vier düster. Es gab einige, die damit ein Problem hatten. Ich habe mit einer Freundin gemeinsam sehr viel Sport gemacht. Wir haben auch ein traditionelles norwegisches Handwerk erlernt – das Stricken – und sind mit Kopflampen trotzdem Wandern gegangen. Man kann sich das Leben im Dunkeln auch schön machen.

Berg und Fjord vor der Haustür: Ungefähr 5000 Fotos hat Jacqueline Kattner während ihres Erasmus-Studiums gemacht.
Berg und Fjord vor der Haustür: Ungefähr 5000 Fotos hat Jacqueline Kattner während ihres Erasmus-Studiums gemacht.
Wandern mit Kopflampe? Ohne dass man die Landschaft sieht?

Ja, berghoch und bergrunter. Das ist in der Gegend, wo ich war, normal. Sogndal ist angeblich die sportlichste Stadt Norwegens und so kam mir das auch vor. Ich habe dort sehr viele Studenten gesehen, die draußen unterwegs waren, egal bei welchem Wetter.

Gab es an der Uni große Unterschiede zum Studium in Deutschland?

Ich war in einem „Mountain to Fjord“-Kurs, zusammen mit 29 anderen internationalen Studenten. Die Vorlesungen fanden in kleinen Gruppen statt. Es war familiärer als in Halle, die Uni hat nur 2000 Studenten. Der Kurs lief ein Semester und war in drei Blöcke aufgeteilt, die jeweils mit einer Klausur beendet wurden. Er war sehr naturwissenschaftlich ausgelegt und hat wirklich Spaß gemacht.

Es ging um Fjorde, Berge, Gletscher. Im ersten Teil waren die geologischen Grundlagen und die Gebirgsbildung in Norwegen dran, im zweiten Teil Gletscher und Vegetation, im dritten die Hydrologie. All das wurde auf vielen Exkursionen veranschaulicht. Es war ein Studiengang, bei dem man sehr viel von Norwegen sieht.

Auf einer dieser Exkursionen ist auch Ihr Gewinnerbild entstanden…

Ja, das Bild ist auf einer Gletscherexkursion entstanden. Es war ein spontaner Moment, mit der Handykamera fotografiert. Auf diesem Gletscher zu stehen und ringsum nur Eis zu sehen – das war eines der schönsten Erlebnisse meines Austauschs.

Unterricht im Eis: Studierende des "Mountain to Fjord"-Kurses.
Unterricht im Eis: Studierende des "Mountain to Fjord"-Kurses.
(Foto: privat)
Was waren andere Highlights für Sie?

Es war schön, so viele Leute aus allen möglichen Ländern kennen zu lernen – und festzustellen, dass sie genauso sind wie wir. Dieser sogenannte Kulturschock ist gar nicht eingetreten. Ansonsten waren natürlich die ganzen Ausflüge und Exkursionen beeindruckend. Ich bin zum Beispiel mit einer Freundin bis nach Tromsø an den Polarkreis gereist. Wir haben versucht, so viel zu sehen wie möglich. Jeden Tag gab es irgendein tolles Erlebnis, irgendetwas Neues. Und wir haben bestimmt tausendmal gesagt: Das sieht hier aus wie auf einer Postkarte!

Wieso hatten Sie sich gerade für Norwegen entschieden?

Ich wollte gerne ins Ausland und hatte mich deshalb auf der Webseite meiner Fakultät umgeschaut. Dort gab es eine Kooperation mit Norwegen. Ich wollte nicht unbedingt dahin, wo alle hingehen. Ich wollte etwas anderes sehen. Und das Studium in Norwegen ist englischsprachig.

Erasmusstudenten stehen ja viele Länder zur Auswahl – was spricht besonders für Norwegen?

Ich bin sehr an Outdoor-Sportarten interessiert und die lassen sich in Norwegen sehr gut mit dem Studium vereinen. Man hat den Berg gleich vor der Haustür. Außerdem hat Skandinavien auch bei PISA gut abgeschnitten und es war schön, mal zu sehen warum und wie sich das Studium unterscheidet.

Als Sie dann nach den sechs Monaten wieder nach Hause kamen, was hatte sich für Sie verändert?

Im Nachhinein merkt man schon, dass man dadurch gewachsen ist. Ein längerer Auslandsaufenthalt ist etwas anderes als ein Urlaub. Egal wo man jetzt hinfährt, überall könnte man jemanden besuchen, das ist ein schönes Gefühl. Die Welt ist nicht mehr groß und gruselig, sondern ein großes Dorf. Ich habe jetzt eine Freundin in Australien und würde dort gern nach dem Bachelor ein Praktikum machen.

Interview: Corinna Bertz

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