Promovierendentag: Traumjob mit Hürden

18.07.2013 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Varia, Campus
Auf die Frage, ob man seinen Traumjob in der Wissenschaft finden kann, hat der 3. Promovierendentag der Uni Halle eine Antwort gefunden: Ja, aber. Denn die Arbeitszufriedenheit ist unter Wissenschaftlern, die an einer Hochschule arbeiten, sehr hoch. Dennoch sind die Hürden, die man auf dem Weg der akademischen Karriere nehmen muss, nicht zu unterschätzen. Darin sind sich alle Teilnehmer einig: Es gibt noch viel Handlungsbedarf.
Die meisten Doktoranden sind befristet und in Teilzeit beschäftigt, ergab die
Promovierendenumfrage an der MLU. (Grafik: Oliver Weiss)
Die meisten Doktoranden sind befristet und in Teilzeit beschäftigt, ergab die Promovierendenumfrage an der MLU. (Grafik: Oliver Weiss)

Seine Erwartungen sind angemessen hoch. Frank Ursin, Sprecher der Promovierenden-Initiative Halle, hofft, dass die Anliegen der Doktoranden der MLU durch die Veranstaltung „Traumjob Wissenschaft? – Wege der Promotion“ weitere Aufmerksamkeit bekommen. „Der Wissenschaftsrat hat dem Land und der Uni empfohlen mit uns zusammen zu arbeiten und unsere Positionen auf den Weg zu bringen“, betont er.

Die Promovierenden-Initiative sei bereits im Gespräch mit Prof. Dr. Gesine Foljanty-Jost, Prorektorin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der MLU, und hoffe auf noch mehr Kooperationsbereitschaft. Dr. Anke Burkhardt vom Institut für Hochschulforschung (HoF) stellt den Anwesenden nach der Begrüßung in einem knapp einstündigen Vortrag den „Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013“ vor. Der 368 Seiten starke Bericht, an dem das Institut federführend beteiligt war, ist gefüllt mit Statistiken und empirischen Befunden zu den „Promovierenden und Promovierten in Deutschland“.

Darin finden sich neben dem durchschnittlichen Alter eines Promovierenden, 32,7 Jahre, zahlreiche Ergebnisse aus Befragungen unter den Doktoranwärtern. Die meisten wählen den Weg der Promotion, weil sie darin eine persönliche Weiterbildung mit vielen Freiheiten sehen – vor allem was die Themenwahl betrifft. Anke Burkhardt interpretiert es als die „Liebe zur Wissenschaft“, die den meisten über die schwierigen Jahre hinweg hilft, in denen sie an ihrer Dissertation arbeiten. Trotz der zahlreichen Probleme, die hauptsächlich mit den befristeten Stellen und den damit verbundenen Unsicherheiten einhergehen, würde sie „jedem empfehlen zu promovieren“. Auch wenn die Promotionszeit oft länger ist als die Förderzeit oder das Beschäftigungsverhältnis am Lehrstuhl.

Ziele der Initiative: Promovierendenrat und Betreuungsvereinbarung

„Durch die Präsentation des Bundesberichts haben wir eine bessere Diskussionsgrundlage, um im nächsten Schritt konkreter an der Verwirklichung eines Promovierendenrates zu arbeiten“, sagt Frank Ursin im Anschluss an den Vortrag. „Es wäre anachronistisch, wenn die MLU weiterhin keinen Promovierendenrat haben würde. Leipzig und Jena beispielsweise haben schon einen solchen Rat, Magdeburg arbeitet daran.“ Ein weiteres Ziel der Initiative sei die Schaffung eines Status’ für Promovierende, der im Landeshochschulgesetz festgeschrieben werden soll. „Und der dritte Punkt ist, dass wir verpflichtende Betreuungsvereinbarungen fordern, die die Qualität einer Promotion maßgeblich verbessern würden.“ Diese Punkte werden auch in der anschließenden Podiumsdiskussion aufgegriffen, die Ursin mit drei weiteren Promovierenden der MLU führt.

Wer die Diskussionen weiter verfolgen und die Anliegen unterstützen möchte, kann dies zum Beispiel bei den 9. Promovierendentagen zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte machen. Die finden seit heute bis zum 21. Juli 2013 in der Lutherstadt Wittenberg statt. Text: Tobias Wagner

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