"Opa ist an allem schuld"

21.12.2011 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Personalia, Campus
„Als ich die Zusage für das Deutschlandstipendium im Briefkasten gefunden hatte, habe ich zuerst meinen Opa angerufen“, erzählt Elisabeth Jäger. Er hatte die Biologiestudentin nämlich immer wieder dazu „gedrängelt“, sich für ein Stipendium zu bewerben. Grund genug dafür gab es: Die gebürtige Meißnerin ist die Beste ihres Jahrgangs. Die meisten anderen Stipendienprogramme hätten ihr aber nicht zugesagt: „Viele davon basieren auf dem BAföG-Satz“. Und das bekommt Elisabeth nicht.
Biologiestudentin Elisabeth Jäger wird für zwei Semester von der Biopharmazie-Firma „Scil Proteins“ gefördert.
Biologiestudentin Elisabeth Jäger wird für zwei Semester von der Biopharmazie-Firma „Scil Proteins“ gefördert. (Foto: privat)

Obwohl sie sich erst zwei Tage vor der Abgabefrist für ein Stipendium beworben hatte, war die Wartezeit eine Qual. „Ich habe ständig in den Briefkasten geschaut, ob eine Antwort drin ist“, erinnert sie sich. In der vorlesungsfreien Zeit war sie die meiste Zeit bei ihrer Familie in Meißen und nur durch Zufall kurz in Halle – sie wollte ihren neuen Personalausweis abholen. Da entdeckte sie einen „ziemlich dicken“ Umschlag in ihrem Postfach: Die Zusage fürs Deutschlandstipendium. „Ich bin erstmal vor Freude durchs Zimmer gehüpft.“

Von den monatlichen 300 Euro, die sie ab Oktober für zwei Semester bekommt, hat Elisabeth noch nicht viel ausgegeben: „Eigentlich wollte ich nach dem Studium erstmal für einige Zeit ins Ausland, aber das verzögert sich erstmal noch.“ So spart sie einen Großteil des Geldes – oder, wie im ersten Monat: Geht mal richtig einkaufen. Es sei einfach ein schönes Gefühl, von den über 300 Bewerbern ausgewählt worden zu sein.

Die Fünftsemestlerin freut sich außerdem, direkten Kontakt zu ihrem Stipendiengeber zu haben: Die Biopharmazie-Firma „Scil Proteins“ bietet Studenten aus naheliegenden Fachbereichen immer wieder die Möglichkeit an, ihre Abschlussarbeiten im Unternehmen zu schreiben. „Das will ich auch machen.“ Während der Vergabefeier hatte sie erstmal nur kurz Zeit, sich eingehender mit dem Unternehmen zu beschäftigen: Ihre Familie und eine Professorin waren extra zur Feier gekommen.

Elisabeth hofft, dass es in Zukunft mehr Stipendienprogramme wie das Deutschlandstipendium gibt: Es sei wichtig, dass engagierte Studenten unabhängig von ihrer politischen Gesinnung gefördert werden können. Politisch oder religiös verortete Stiftungen würden das Fachwissen meist nicht ausreichend mit in die Auswahl einfließen lassen.

Text: Tom Leonhardt

Die Vereinigung der Freunde und Förderer der MLU sammelt kleinere private Spenden, um ein oder mehrere Deutschlandstipendium zu finanzieren.

Weitere Stipendiaten im Porträt:

Hanna Romanowsky Tobias Hübner

Kommentar schreiben