Nichts lesen, nichts lernen, nichts erleben

20.03.2015 von Tom Leonhardt in Studium und Lehre, Campus
Nada, niente, nothing: Der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Pablo Pirnay-Dummer bietet im kommenden Sommersemester ein Seminar über Nichts an. Folgerichtig müssen die freiwilligen Teilnehmer am Ende auch keine Klausur oder Hausarbeit schreiben. Dafür erhalten sie aber auch keine Credit Points.
"Nichts" ist das Thema eines besonderen Seminars im Sommersemester 2015.
"Nichts" ist das Thema eines besonderen Seminars im Sommersemester 2015. (Foto: Darwin Bell, CC 2.0 BY)

Die Angst vor dem Nichts spielt in unserem Leben eine wichtige Rolle: Wir vermeiden längere Pausen in Vorträgen oder Gesprächen. Stille in der Musik oder in Filmen wirkt für viele Menschen unheimlich oder wie ein Fehler. Jede noch so kleine weiße Fläche auf Flyern oder in unseren eigenen vier Wänden wird mit Schrift, Bildern oder Postern gefüllt. Hauptsache: Da ist nicht nichts.

Pablo Pirnay-Dummer
Pablo Pirnay-Dummer
(Foto: Stefanie Pirnay)

Genau damit will sich Pablo Pirnay-Dummer im nächsten Semester im Rahmen eines besonderen Seminars beschäftigen – mit dem Nichts. „Die Idee des Seminars ist eine Art Gegenentwurf zur sonst komplett modularisierten Studienrealität“, erläutert Pirnay-Dummer. Zu seiner Studienzeit hätte es viele Veranstaltungen gegeben, in denen sich Studierende verschiedener Fachrichtungen begegnet wären und in denen die Teilnehmer auch fachfremde Themen diskutiert hätten. Dies sei heute nur noch selten der Fall. Deshalb will der Erziehungswissenschaftler mit seiner Veranstaltung versuchen, „ein möglichst breites Spektrum an Perspektiven auf das Nichts geben“. So sollen nicht nur philosophische oder künstlerische Zugänge auf das Thema diskutiert werden, sondern auch naturwissenschaftliche Erklärungsansätze.

„In diesem Seminar wird es nichts zu verrechnen geben, keine Leistungspunkte – und auch keine Stunden für mich“, sagt Pirnay-Dummer über das Konzept seiner Veranstaltung. Stattdessen stünden hier das Lernen ohne Prüfungsdruck und eine gewisse Folgenfreiheit im Vordergrund. Trotzdem handele es sich bei dem Seminar nicht um eine reine Spaßveranstaltung: „Es wird sicherlich eine etwas lockerere Veranstaltung, trotzdem lebt sie von Lektüre- und Literaturaufgaben.“

Entgegen der vielleicht naheliegenden Annahme, an einem Seminar über das Nichts könne auch niemand teilnehmen, ist das Seminar für Interessierte aller Fachrichtungen geöffnet. Die Teilnehmerzahl ist jedoch auf 30 Personen beschränkt. Das Seminar findet ab Dienstag, 7. April, um 18.15 Uhr im ECT-Hörsaal im Haus 5 der Franckeschen Stiftungen statt. Die Anmeldung am Seminar erfolgt über stud.IP: Zur Veranstaltung. Tom Leonhardt

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