Mode und Sex in der DDR

21.08.2012 von Sarah Huke in Forschung, Wissenschaft
Was wäre, wenn es keine Kleidung gäbe? Nicht allein der fehlende Schutz vor Wind und Wetter würde uns Schwierigkeiten bereiten, auch die geheimnisvolle erotische Ausstrahlung eines verpackten Körpers ginge verloren. Für Bürger in der DDR hatten Mode und Sexualität neben der Instrumentalisierung durch die Politik noch eine andere Bedeutung. „Es waren zwei sehr private Angelegenheiten, bei denen jeder sagen konnte: Das bin ich, da kann ich mich dem Hineinregieren entziehen und abgrenzen“, erklärt Dr. Cordula Günther, Medienwissenschaftlerin an der MLU.
Neue Trends im Jahr 1973: Ein DDR-Modekatalog aus dem Fundus von Dr. Cordula Günther
Neue Trends im Jahr 1973: Ein DDR-Modekatalog aus dem Fundus von Dr. Cordula Günther (Foto: Sarah Huke)

Die Kleidung der Ostbürger charakterisierte weniger das Einheitsgrau. Kreativität, Improvisation und der Wunsch, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, zeichneten ein buntes Bild von Mode. Für die Ausstellung „Malimo & Co. – Mode in der DDR zwischen Traum und Wirklichkeit“, die von August 2011 bis Januar 2012 im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig zu sehen war, führte Cordula Günther Interviews mit Zeitzeugen und sammelte Informationen über die Rolle der Kleidung im Osten.

Zwei Medienwissenschaftlerinnen fragen: Lebte man im Osten anders?

Die Frage nach den Unterschieden zwischen Ost und West war für Uta Kolano, Filmemacherin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Department für Medien & Kommunikation, der ausschlaggebende Grund, vor acht Jahren die ARD-Dokumentation „Der nackte Osten. Erotik zwischen oben und unten.“ zu drehen. „Der wesentliche Unterschied liegt in der Rolle der Frau begründet. Sie wurde vom Staat gebraucht, das veränderte ihr Verhalten gegenüber Männern und auch zur Sexualität. In der BRD fand diese Entwicklung viel später statt“, erklärt Kolano.

Aber auch Themen wie Homosexualität, Prostitution und die Geschichte der Freikörperkultur (FKK) sind Teil ihrer kulturhistorischen Betrachtung von Liebe, Sex und Partnerschaft in der DDR. Mit ihrem kürzlich veröffentlichten Buch „Kollektiv d'amour“ schließt sie ihre Ost-Studie ab, um sich stärker auf ihren Forschungsschwerpunkt, den dokumentarischen Film, zu konzentrieren.

Cordula Günther wird die DDR hingegen noch eine Weile wissenschaftlich begleiten. Sie will die Ausstellungsinterviews systematisch auswerten und einordnen. Über die Vermittlung von Forschungsmethoden hat sie bisher ihren Studenten die Kulturgeschichte der DDR nähergebracht und die Mythen rund um Niethose, Dederon und Lipsi hinterfragt. Text: Sarah Huke

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