Luthers Leucorea: Forschung in Wittenberg

23.03.2017 von Corinna Bertz in Im Fokus, Wissenschaft, Forschung
Dort, wo Martin Luther einst in Wittenberg lehrte, erforschen heute Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Geschichte und Wirkung der Reformation interdisziplinär. Zwei durch das Land Sachsen-Anhalt geförderte Forschungsprojekte widmen sich diesen Themen an der Leucorea, Stiftung an der Universität Halle.
Innenhof der Stiftung Leucorea
Innenhof der Stiftung Leucorea (Foto: Manuela Bank-Zillmann)

„Das ernestinische Wittenberg: Universität und Stadt (1486 – 1547)“ ist das einzige Forschungsprojekt im Land Sachsen-Anhalt, das sich direkt mit der Zeit der Reformation in Wittenberg befasst: Neun Nachwuchswissenschaftler und sechs Professoren der Universitäten Halle und Leipzig sowie der Technischen Universität Berlin gehören zur Forschergruppe, die seit 2009 besteht. Gemeinsam erforschen die Archäologen, Germanisten, Historiker, Politologen, Theologen, Juristen, Literatur- und Kunstwissenschaftler anhand bislang nicht ausgewerteter Schriftquellen, bildlicher Darstellungen, archäologischer, kunst- und bauhistorischer Zeugnisse den Wandel, den die Stadt Wittenberg seit dem Regierungsantritt Friedrichs des Weisen im Jahr 1486 erfuhr. Der sächsische Kurfürst, der 1502 die Wittenberger Universität, die Leucorea, gründete, stand seinem rebellischen Professor Martin Luther stets als Förderer zur Seite und hielt seine schützende Hand über ihn.

Im Oktober 2014 nahm die Graduiertenschule „Kulturelle Wirkungen der Reformation“ ihre Arbeit an der Leucorea auf. Die Doktoranden, die aus unterschiedlichen Disziplinen kommen, erforschen für zunächst vier Jahre Transformationsprozesse, die durch Impulse aus der Reformation auf unterschiedlichen Gebieten, wie Kunst, Philosophie, Bildung, Soziologie oder Recht, ausgelöst wurden.Reformationsforschung findet jedoch nicht nur in Wittenberg statt: Bereits 2006 wurde auf Initiative des Kirchenhistorikers und heutigen Rektors Prof. Dr. Udo Sträter die Reformationsgeschichtliche Sozietät an der Universität Halle gegründet. Über diese Plattform haben 18 Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen auf Workshops, Tagungen sowie in Form von zwei umfassenden Publikationen neue Erkenntnisse erarbeitet, unter anderem über die Wirkungen der Reformation auf Wissenschaft und Bildung sowie auf alle Bereiche der Gesellschaft.

Kongress zu Wirkungen der Reformation

Den wissenschaftlichen Höhepunkt des Reformationsjubiläums markiert der internationale Kongress „Kulturelle Wirkungen der Reformation“ an der Stiftung Leucorea in der Lutherstadt Wittenberg, der gemeinsam von den drei traditionsreichen Universitäten im Mitteldeutschen Unibund Halle, Jena und Leipzig ausgerichtet wird. Vom 7. bis 11. August kommen Forscher aus aller Welt dort zusammen, um neu zu beschreiben, was unter den Wirkungen der Reformation, auch unter Einbeziehung gegenwärtiger Kulturphänomene, zu verstehen ist. Rund 250 Gäste aus zehn Ländern haben sich bereits für die Tagung angemeldet. Alle Information zum Kongress online unter: http://bit.ly/ref-17

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