Lehrmeister mit Leib und Seele

17.10.2011 von Corinna Bertz in Im Fokus
Man könnte Ulrich Zschaege als Urgestein bezeichnen. Oder als Vater der Kompanie. Vielleicht würde man ihm damit gerecht. Aber dem 62-Jährigen wären solcherlei Schlagwörter wohl ziemlich unangenehm. Klar, stolz ist er auf das, was er Besuchern in den Werkstätten des Instituts für Physik am Von-Danckelmann-Platz zeigen kann. Aber er bleibt unaufgeregt, wählt wenige, dafür präzise Worte. „Auf die Genauigkeit kommt es an“, sagt er. Und meint seinen Beruf, den er hier jungen Leuten weitervermittelt.
Ulrich Zschaege (r.) mit seinem Auszubildenden Claudius George.
Ulrich Zschaege (r.) mit seinem Auszubildenden Claudius George.
(Foto: Carsten Heckmann)

1967 hat Zschaege selbst als Lehrling an der MLU angefangen, damals im Hof des Uni-Gebäudes am Friedemann-Bach-Platz, wo der wissenschaftliche Gerätebau angesiedelt war. Feinmechaniker ist er geworden. In den Siebzigern folgte der Meisterlehrgang. Nach dessen Abschluss hat der Hallenser ununterbrochen ausgebildet, seit acht Jahren alleinverantwortlich. Zwei Azubis sind es zurzeit. Der Beruf heißt inzwischen Feinwerkmechaniker, die grundlegenden Tätigkeiten sind die gleichen geblieben: Feilen, Fräsen, Drehen. „Inzwischen sind natürlich auch Maschinen zu bedienen, die computergesteuert Werkstücke herstellen. Es handelt sich eben um einen sehr vielseitigen Handwerksberuf.“

Eine Grundausbildung dafür sei „Gold wert“. Umso unverständlicher findet es Zschaege, dass es Lehrlingen mitunter an Bereitschaft mangelt, sie sich daneben benehmen oder nicht zur Arbeit erscheinen. „Wenn wir hier nur Ärger und Aufregung haben, ist das schlecht. Aber zum Glück kommt das äußerst selten vor.“ Zschaege mag seinen Job und seine Rolle, die er darin sieht, „Menschen in den Beruf zu führen, aber auch dabei zu helfen, sich im Alltag zurechtzufinden“.

"Wir haben es mit Individuen zu tun - auf beiden Seiten"

Es sei nicht immer leicht, die Verantwortung zu schultern und im Alltagsstress Zeit zu finden für die Belange des Nachwuchses, berichtet Dorothea Rudolf, die seit 1999 Ausbilderin in der Universitäts- und Landesbibliothek ist.

„Aber es ist immer wieder aufs Neue eine gute Erfahrung, mit jungen Leuten in Kontakt zu sein. Und für sie ist es unheimlich wichtig, einen Beruf zu erlernen.“ Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste bildet die Fachreferentin für Sozialwissenschaften aus. Von der Ausleihe über den Büchererwerb bis hin zur Katalogisierung reicht die Tätigkeitspalette.

Dorothea Rudolf
Dorothea Rudolf

Fünf Auszubildende betreut Dorothea Rudolf derzeit. „Wir haben es hier mit Individuen zu tun – auf beiden Seiten“, umschreibt sie diplomatisch, dass nicht immer eitel Sonnenschein herrscht. Aber die Ausbilderin brennt für ihre Aufgabe, unterstützt die Azubis nach eigenen Worten, wo immer es geht. Sie motiviert sie auch, Praktika im Ausland zu machen. Alles in einer anderen Sprache zu machen, das traue sich nicht jeder. Aber die Erfahrung sei unheimlich wertvoll, auch in fachlicher Hinsicht. Zwar könne man recherchieren, wie Bibliotheken in anderen Ländern organisiert sind. Aber bei aller

Liebe zum gedruckten Wort: „Etwas gelebt zu haben ist eben mehr als es nur gelesen zu haben.“ (Text: Carsten Heckmann)

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