Lehrbeginn am Steintor-Campus: "Das Leben hier fängt erst an"

17.04.2015 von Leef Hansen in Studium und Lehre, Campus
Wer in diesen Tagen am neuen Steintor-Campus vorbeikommt, blickt auf eine staubige Baustelle. Noch bevölkern Bauarbeiter das Gelände. Von Campus-Leben noch keine Spur. Doch der Schein trügt. Seit dem Start des Sommersemesters werden in den beiden restaurierten Gebäuden in der Adam-Kuckhoff-Straße 35 und der Ludwig-Wucherer-Straße 2 die ersten Lehrveranstaltungen und Seminare gehalten. Doch wie fühlt es sich an, das Leben auf dem neuen Campus?
Der Steintor-Campus von oben. Seit zwei Wochen finden auf dem Gelände die ersten Seminare und Vorlesungen statt.
Der Steintor-Campus von oben. Seit zwei Wochen finden auf dem Gelände die ersten Seminare und Vorlesungen statt. (Foto: Maike Glöckner)

„Es ist aufgrund der Bauarbeiten noch ziemlich laut“, sagt Anne Klehm und versteht ihr eigenes Wort kaum. Die Philosophie-Studentin findet die neuen Räume und Hörsäle sehr schön. „Leider ist es mit der Orientierung noch sehr schwierig, da es keinen Campusplan gibt.“ Außerdem vermisse sie ihr altes Institutsgebäude ein wenig. „Auf dem neuen Campus ist noch nichts los und ich mag es, wenn die Räume eine Seele haben.“ Dass jetzt zwei Fakultäten an einem Campus vereint sind, sieht sie eher skeptisch. „Ich mochte es, dass die Fakultäten in der Stadt verteilt waren“, sagt die Studentin.

Dr. Christane Holm
Dr. Christane Holm
(Foto: privat)

Dr. Christiane Holm ist positiv gestimmt. „Das Leben fängt hier erst an“, sagt die Germanistin. Sie sieht den neuen Campus sowohl für Studenten, als auch für das Personal in Lehre und Forschung als große Bereicherung. „Ich arbeite im Rahmen eines Masterprogrammes stark interdisziplinär.“ Deshalb sei die Konzentration unterschiedlicher Fachbereiche an einem gemeinsamen Ort sehr vielversprechend und belebend. Sie hofft, dass Studenten und Lehrpersonal den neuen Campus und die damit verbundenen kürzeren Wege nutzen werden, um sich interdisziplinär stärker zu vernetzen.

Viel Farbe aber trotzdem nackt

Zum Glück gibt es an den Türen des Germanistischen Instituts elektrische Türöffner. „Ich würde die sonst gar nicht aufbekommen“, berichtet Franziska Schiegl von ihren ersten Eindrücken. Ich hatte mir das neue Gebäude persönlich ganz anders vorgestellt und bin angenehm überrascht", sagt die Studentin. Sie hatte befürchtet, dass alles sehr groß und unübersichtlich werde. Die Kombination aus Alt und Neu gefällt ihr gut. So sei nicht alles nur neu, sondern der Charakter der alten Gebäude sei erhalten und in das Konzept integriert worden.

„Einfach viel zu nackt und ungemütlich“, findet sie hingegen die Wände im Institut. „Der Campus hat allgemein noch keinen Charakter, aber das kann ja alles noch kommen“, so Franziska Schiegl. „Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass alle Institute zur gleichen Zeit umgezogen wären. Momentan ist hier noch nichts richtig fertig, da fühle ich mich einfach nicht so wohl." Außerdem befürchtet die Studentin, dass das Bibliotheksgebäude für die Vielzahl von Studenten viel zu klein sein könnte. Sie hofft, dass alle Studenten hier Platz haben werden.

Funktionalität ohne Schick und Charme?

Dr. Sebastian Böhmer
Dr. Sebastian Böhmer
(Foto: Chris Korner)

Sebastian Böhmer findet die neu restaurierten Bauten noch etwas desorientierend. „Aber das geht wahrscheinlich vielen so“, sagt der wissenschaftliche Koordinator des Landesforschungsschwerpunkts „Aufklärung – Religion – Wissen“. Dennoch ist er positiv überrascht. Die neuen Räume seien zwar nicht so charmant wie im alten Institut in der Herweghstraße, dafür sind sie sehr funktional. Gerade das Funktionale findet jedoch nicht überall Anklang. Zwei Studentinnen hätten ihm schon gesagt, dass sie sich in die alte Institutsvilla mit ihrem Charme und Schick zurücksehnen. Der neue Campus sei ihnen zu kühl und technisiert. Die kurzen Wege zu den Kollegen aus den anderen Fachbereichen sieht Sebastian Böhmer ebenfalls positiv. „So kommen Menschen einfacher, schneller und damit hoffentlich auch öfter persönlich in Kontakt.“

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