Laue Sommernacht, heiße Wissenschaft

07.07.2012 von Corinna Bertz in Varia
Der Ansturm war groß und Halles neugierige Nachtschwärmer kamen in der lauen Sommernacht vom 6. zum 7. Juli voll auf ihre Kosten: Die 11. Lange Nacht der Wissenschaften bot als Highlight des diesjährigen Wissenschaftssommers der Saalestadt für alle Interessierten bis in die heutigen Morgenstunden spannende Entdeckungstouren. Mehr als 300 Veranstaltungen bot die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) zusammen mit zahlreichen Forschungseinrichtungen und der Stadt Halle an. Erste Hochrechnungen der Organisatoren ergaben eine Besucherzahl von 7.500, wobei die meisten Gäste natürlich von mehreren der attraktiven Angebote Gebrauch machten.
Wissenschaft zum Anfassen und Ausprobieren bei der 11. Langen Nacht der Wissenschaften in Halle.
Wissenschaft zum Anfassen und Ausprobieren bei der 11. Langen Nacht der Wissenschaften in Halle. (Foto: Maike Glöckner)

„Die Hallenser bewiesen einmal mehr, dass sie ein wissensdurstiges Volk sind“, sagte MLU-Rektor Udo Sträter zufrieden. Wissenschaft zum Anfassen und Ausprobieren lockte zahlreiche große und kleine Besucher in die Forschungseinrichtungen, die ein breit gefächertes Angebot bereit hielten. So gab es Rieseninteresse am Märchen-Moot-Court „Hänsel und Gretel“ des Juristischen Bereichs im Audimax, das rettungslos überfüllt war. Einige nahmen mit Stehplätzen vorlieb. Das Rahmenprogramm auf dem Universitätsplatz war stets gut besucht und begeisterte mit Themen von Zaubermathematik bis hin zur Feuershow am Ende, untermalt von der Uni-Bigband. Auf der Bühne auf dem Uniplatz fasste Professor Sträter kurz zusammen: „Es ist toll zu sehen, wie viel überall los ist.“

„Die Lange Nacht stellt inzwischen eine feste Größe im Veranstaltungskalender dar“, sagte Udo Sträter. „Sie wurde im wahrsten Sinne des Wortes zu einem vollen Erfolg. Ich möchte mich ausdrücklich bedanken bei all denen, die die Lange Nacht vorbereitet und gestaltet haben.“

Bücherwürmer durften einen Blick in die historische - und garantiert holzwurmfreie - Bibliothek des Johann August von Ponickau werfen und die Strumpfbandkataloge der Universitäts- und Landesbibliothek begutachten. Im Botanischen Garten wurde derweil musiziert, DNA isoliert und durch duftende Planzungen flaniert. Im Herbarium schauten viele Besucher Präparatorin Denise Marx neugierig bei der Arbeit zu, während Kustos Professor Uwe Braun über die wertvolle Sammlung Auskunft gab.

Große Anziehungskraft übte darüber hinaus die Chemie-Experimentalvorlesung von Professor René Csuk in Heide-Süd auf die Besucher aus. Nicht zuletzt lockte das Orientalische Institut der MLU mit originellen Angeboten: Hier gab es eine sehr gut besuchte Lesung zu arabischer Witzkultur und ein orientalisches Buffet im Garten.

Andrang gab es auch bei der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina: Vor dem Haupteingang bildeten sich lange Schlangen. Kein Wunder, denn die Leopoldina öffnete erstmals bei einer Langen Nacht die Türen des neuen Hauptgebäudes auf dem Jägerberg.

Bis in die Nacht herrschte auch am Friedemann-Bach-Platz Hochbetrieb. Hallenser von heute unterhielten sich mit berühmten halleschen Gelehrten der Vergangenheit. Dorothea von Erxleben, Johann Friedrich Meckel der Jüngere, Julius Kühn und Christoph Schweigger waren in ihren historischen Kostümen zum Leben erwacht und zeigten sich von ihrer menschlichsten Seite. Diese Aktion der Stadtmarketing Halle (Saale) GmbH mit Schauspielern kam bei den Besuchern sehr gut an. Agrarwissenschaftler Kühn beschwerte sich über seinen inoffiziellen Titel als „Mistprofessor“ und der Physiker und Erfinder Schweigger wünschte sich nichts sehnlicher, als dass eine Straße der Saalestadt nach ihm benannt werde. Nebenan hörten über rund 1.800 Besucher in der Cicadas-Ausstellung den elektromechanischen Insekten beim Zirpen zu.

Nicht zuletzt war der 6. Juli für die hallesche Universitätsmedizin ein ereignisreicher Abend. Besonders gefragt waren medizinische Mitmachaktionen wie das Proben von Lebensrettungsmaßnahmen, angeboten durch das Erxleben-Lernzentrum, Tests in der HNO-Klinik, die Nachtsprechstunde der Allgemeinmedizin, orthopädische und unfallchirurgische Arbeiten an Knochen und Gelenken und das Testen einer Endoskopie am Phantom. Zahlreiche Gäste besuchten den Kreißsaal der Uniklinik für Geburtshilfe oder spendeten in der Transfusionsmedizin Blut.

Das spektakuläre farbenprächtige Feuerwerk in Heide-Süd, diesmal zum Thema „Entwicklung der Pflanzen im Jahresverlauf“, wurde umjubelt. Es stellte - nun schon traditionell - einen weiteren großen Anziehungspunkt dar. Musikalische Unterhaltung sowie die Speiseversorgung durch das Studentenwerk rundeten einen gelungenen Abend ab.

Text: Ute Olbertz

Kategorien

Varia

Schlagwörter

Kommentar schreiben