Lange Nacht: Hydrogeologie im „Kiosk-Prinzip“

22.06.2016 von Corinna Bertz in Varia
Noch neun Tage bis zur Langen Nacht der Wissenschaften am Freitag, 1. Juli – mit Hochdruck wird jetzt an vielen Instituten am Programm gefeilt. So auch im Fachgebiet Hydro- und Umweltgeologie: Mit zehn verschiedenen Angeboten beteiligt sich das Team um Dr. Wolfgang Gossel. Zwölf Lange Nächte hat Gossel schon mitgestaltet. Immer wieder haben die Hydrogeologen ihren Auftritt den Interessen der Besucher angepasst und so ihr Programm im Laufe der Jahre perfektioniert.
Ein Hologramm von der Halleschen Störung gibt es zur Langen Nacht der Wissenschaften bei den Hydro- und Umweltgeologen zu sehen.
Ein Hologramm von der Halleschen Störung gibt es zur Langen Nacht der Wissenschaften bei den Hydro- und Umweltgeologen zu sehen. (Foto: Maike Glöckner)

Wenige Tage vor der Langen Nacht bringt Doktorand Lars Schimpf das zwei Meter lange Anschauungsmodell nochmal auf Vordermann: Gemeinsam mit Student René Zahl kippt er neue Schichten Kies in den Glaskasten und prüft die selbstgebaute Pumpensteuerung. An dem Modell können die Hydrogeologen im kleinen Maßstab demonstrieren, wie sich Grund- und Oberflächenwasser in unterschiedlichen Szenarien verhalten. „Wir können zum Beispiel Hochwasser simulieren und zeigen, wie sich eine Hochwasserwelle auf die Umgebung auswirkt“, erklärt Schimpf, der zum fünften Mal bei der Langen Nacht dabei ist.

René Zahl schüttet die Bodenschichten des Modells auf.
René Zahl schüttet die Bodenschichten des Modells auf.
(Foto: Lars Schimpf)

Sein Bürokollege Dr. Wolfgang Gossel hat bereits auf zwölf Langen Nächten Erfahrungen gesammelt und die Angebote des Fachgebiets immer wieder an das Besucherverhalten angepasst. „Die Leute interessieren sich zum Beispiel kaum für unsere Labore; sie schauen oft nicht einmal durchs Bullauge“, erzählt er. „Deshalb präsentieren wir uns seit einigen Jahren nur noch auf dem Flur und bauen die Tische so auf, dass die Leute im Zickzack an den einzelnen Punkten vorbeigeführt werden.“ Sein Kollege Schimpf nennt es „das Kiosk-Prinzip“. Viele Studenten der Angewandten Geowissenschaften werden auf dem Flur stehen und Teile ihrer Abschlussarbeiten präsentieren.

Was finde ich, wenn ich an meinem Wohnort bohre? Dr. Wolfgang Gossel erklärt Besuchern der Langen Nacht 2007 die Geologie  von Halle.
Was finde ich, wenn ich an meinem Wohnort bohre? Dr. Wolfgang Gossel erklärt Besuchern der Langen Nacht 2007 die Geologie von Halle.
(Foto: Maike Glöckner)

Die Themen der studentischen Arbeiten haben oft einen regionalen Bezug: Bei Franziska Höse können sich Besucher auf einer interaktiven Karte zeigen lassen, wie es um die Erdwärme an ihrem Wohnort bestellt ist; Jacob Haerter zeigt an zwei sachsen-anhaltischen Denkmälern, wie sich ein zu hoher Grundwasserspiegel auf die Fundamente auswirkt; Julia Reeg kann an jedem Fleck von Halle eine virtuelle Bohrung vornehmen, um die Bodenschichten zu ermitteln und Doktorand Abdelouahed Oussouss wird im Innenhof-Brunnen eine Bohrkamera versenken, die Live-Bilder aus dem Instituts-Untergrund liefern soll.

Marlene Höhle macht die letzten 3D-Aufnahmen von Großfossilien aus der Geologisch-Paläontologischen Sammlung.
Marlene Höhle macht die letzten 3D-Aufnahmen von Großfossilien aus der Geologisch-Paläontologischen Sammlung.
(Foto: Wolfgang Gossel)

Gerade arbeitet Marlene Höhle noch auf einem fünf Meter hohen Gerüst, um die letzten 3D-Aufnahmen von Großfossilien an der Wand anzufertigen. „Wir pudern den Trilo und machen ihn zu PaläoHalles Next Topmodel“ haben Gossel und Schimpf diesen Programmpunkt genannt. „An Kreativität mangelt es uns nicht“, sagt Gossel und lacht. Die beiden Forscher sind jedes Jahr mit Begeisterung dabei: „Die Lange Nacht ist eine tolle Möglichkeit zu zeigen, was unsere Wissenschaft ausmacht und wo wir Hydrogeologen überall involviert sind“, so Schimpf.

Die Besucher nutzen wiederum gern die Gelegenheit, sich bei den Experten einmal ganz praktischen Rat zu holen. „Wie tief muss ich bohren, wenn ich einen Brunnen bohren will? Diese Frage haben wir schon häufiger gehört“, erzählt Gossel, der selbst noch nie als Besucher zur Langen Nacht unterwegs war. „Natürlich ist das schade. Ich würde mir gerne mal anschauen, was die Chemiker oder die Informatiker so machen“, bedauert er. Aber dieses Opfer müsse man bringen, sind sich Schimpf und Gossel einig. Corinna Bertz

Das Fachgebiet Hydro- und Umweltgeologie präsentiert sich am Freitag, 1. Juli, von 18 bis 23 Uhr im Institutsgebäude am Von-Seckendorff-Platz 3 in der ersten Etage im südlichen Flur sowie im Innenhof des Instituts für Geowissenschaften und Geographie am Von-Seckendorff-Platz 3/4. 

Informationen zur Langen Nacht der Wissenschaften 2016

Das gesamte Programm und aktuelle Informationen zur Langen Nacht sind unter www.lndwhalle.de abrufbar. Das gedruckte Programmheft liegt kostenlos in der Tourist-Information im halleschen Marktschlösschen, Marktplatz 13, und an vielen weiteren Stellen in Halle und der Region aus. Insgesamt laden über 90 universitäre und außeruniversitäre Einrichtungen am 1. Juli, in der Zeit von 17 bis 1 Uhr nachts zu mehr als 340 Veranstaltungen ein. Posts mit dem Hashtag #lndwhalle auf Twitter, Facebook und Instagram werden gebündelt auf dem Tagboard der Uni Halle gezeigt: https://tagboard.com/lndwhalle

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