Klänge aus dem Orient: Ein Student baut Ouds

01.07.2014 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Campus
Für sein Hobby hat Omar Shalash in den letzten Jahren weit über 3.000 Euro ausgegeben. Der Musik- und Medienstudent baut in seiner Freizeit Ouds. Seit seiner Kindheit fasziniert ihn das mittelalterliche Saiteninstrument aus dem Orient.
Omar Shalash in seiner Werkstatt
Omar Shalash in seiner Werkstatt (Foto: Maike Glöckner)

„Das hier ist mein neuestes Experiment“, sagt Omar Shalash und zeigt auf eine kleine Holz-Box mit Schublade. „Das wird ein Schmuckkästchen für meine Freundin“, fügt er schmunzelnd hinzu. In einem kleinen Zimmer auf dem Dachboden hat der gebürtige Palästinenser sein Atelier eingerichtet. Obwohl der Raum nicht besonders groß ist, findet sich hier alles, was in eine richtige Holzwerkstatt gehört: Unzählige Werkzeuge hängen ordentlich sortiert an der Wand einer Werkbank. Dazu kommen unter anderem die eigene Laubsäge, eine Schleifmaschine und auch eine Holzbandsäge.

„Mich hat das Instrument seit meiner Kindheit fasziniert“, erzählt er. Bereits als Jugendlicher hat er sich seine erste Oud aus Jordanien mitbringen lassen. „Die war aber schlecht gebaut“, erinnert er sich. Obwohl Shalash als Teenager keine musikalische oder handwerkliche Ausbildung hatte, störte er sich an dem Klang und versuchte vergebens, diesen selbst zu verbessern: „Ich habe die Oberseite des Klangkörpers neu gestrichen, aber der Lack wollte einfach nicht trocknen und so musste ich später wieder alles abmachen.“ Sein Chemielehrer gab ihm später ein wenig Unterricht und verkaufte ihm auch ein besseres Instrument, auf dem er nach der Schule immer stundenlang übte.

2009 kam Shalash für sein Studium nach Halle und verfolgte gezielter den Plan, eigene Ouds zu bauen. Zuvor hatte er ein Jahr bei seinem Bruder in Göttingen gelebt. Zuerst arbeitete der Student in seiner damaligen Wohnung – zum Ärger seiner Nachbarn. Kurze Zeit später zog er um und hatte das Glück, die Werkstatt seines Hausmeisters mit benutzen zu dürfen. Dort lernte er auch den Umgang mit größeren Werkzeugen wie einer Tischkreissäge.

Der erste, gescheiterte Oud-Versuch hängt in seiner Werkstatt. Von dem Instrument ist nur der hohle Körper zu sehen. „Damals habe ich einfach drauf los gebaut“, gibt er zu. Der zweite Anlauf gelang ihm dann dank „viel mehr Planung und Berechnung“. Mit einem gewissen Stolz holt er seine erste eigens gebaute Oud aus der Tasche. „Die ist etwas ganz Besonderes für mich. Man sieht an vielen Stellen meinen Lernprozess.“ So finden sich etwa in den Verzierungen kleinere Handwerksfehler, die man eigentlich ausbessern müsste. Für ihn gehören sie aber dazu. An dem Instrument hat der Student fast zwei Jahre gearbeitet. Neben dem Studium sei häufig nicht genügend Zeit, um regelmäßig in der Werkstatt zu arbeiten. Dabei sei ihm die Zeit in der Werkstatt besonders wichtig: „Während meiner Arbeit habe ich viel Zeit zum Nachdenken und das hat auch irgendwie eine therapeutische Wirkung.“

Derzeit arbeitet Omar Shalash an seiner zweiten Oud. Der Klangkörper und der Resonanzboden sind fast fertig. „Hier habe ich wieder viel experimentiert“, erzählt er. Beispielsweise bei der Gestaltung des Klangkörpers: „Da habe ich mich dieses Mal an der Akustiklehre von Streichinstrumenten orientiert.“ In Zukunft vom Bau der Instrumente zu leben hält er aber für unrealistisch. In Europa gebe es keinen ausreichenden Markt für ein arabisches Instrument aus dem Mittelalter. Trotzdem plant der Student, künftig seine Ouds auch zu verkaufen. Bis auf seine erste: „Die gehört mir.“ Tom Leonhardt

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