Jubiläumskonzert im Zeichen musikalischer Kreativität

26.06.2013 von Corinna Bertz in Varia
Die Musiker des Quintessence Saxophon Quintetts begeisterten ihr Publikum am 25. Juni 2013 mit einem fulminanten Auftritt in der Aula des Löwengebäudes. Das insgesamt 30. Konzert in der Reihe aula konzerte halle stand dabei ganz im Zeichen musikalischer Kreativität, welche die Instrumentalisten durch den Vortrag ihrer virtuos-spielfreudigen Arrangements verschiedener Kompositionen von Johann Sebastian Bach bis Klaus Doldinger unter Beweis stellten.
Das Quintessence Saxophon Quintett begeisterte in der Aula der Universität,
Das Quintessence Saxophon Quintett begeisterte in der Aula der Universität, (Foto: Maike Glöckner)

Den Auftakt zum ersten Konzertteil, dessen Schwerpunkt auf der Musik Johann Sebastian Bachs lag, läutete das Quintett mit einer Neuinterpretation der bekannten Toccata und Fuge d-Moll BWV 565, hier unter dem Namen Toccata, funk and choral in d-minor ein. Das ungewöhnliche Arrangement des berühmten Orgelwerks für fünf Saxophone wusste dabei in der Toccata durch Jazz-lastige Einschübe und Solopartien zu überzeugen und nahm somit die Marschroute des Konzertabends vorweg: klassische Musik aus den Augen des modernen Jazz. Die anschließende Fuge, die – laut Sopran-Saxophonist Uli Letterman – aufgrund ihres hohen Schwierigkeitsgrades beim Quintett gefürchtet ist, gab einen Einblick in die Virtuosität und hohe Spielkultur der Instrumentalisten und ließ in ihrer Darbietung das hohe Maß an musikalischem Verständnis der fünf Saxophonisten untereinander erkennen.

Gefolgt wurde die Toccata von zwei weiteren Werken Bachs, dem Konzert für Oboe g-Moll BWV 1056d sowie der Kantate Wachet auf, uns ruft die Stimme BWV 140. Auch hier waren die Arrangements des Quintetts, abgesehen vom ersten Satz des Konzerts, wieder stark auf die Vermischung des barocken Klangideals mit dem des modernen Jazz angelegt, wobei das kompositorische Gestaltungsprinzip besonders in der Kantatenbearbeitung deutlich wurde. Der Kantatenmelodie Johann Sebastian Bachs, die ihrerseits auf dem gleichnamigen Choral Philipp Nicolais basiert, wurde vom Quintessence Saxophon Quintett eine weitere jazzige Linie obenauf gesetzt. Das Ergebnis war auch hier eine neuartige Klangwelt, die in ihrer dynamischen Synergie aus Barock und Moderne das Publikum zu begeistern verstand.

Den Abschluss des ersten Konzertteils bildete eine Neufassung der Ouvertüre aus Mozarts Oper Die Hochzeit des Figaro KV 492, in der die humorvolle und lockere Gangart des Quintetts, die über das gesamte Konzert hinweg aufrechterhalten wurde, in der Paraphrasierung des Titels als Die Scheidung des Figaro zum Ausdruck kam.

Im Anschluss richtete das Quintett sein Augenmerk vor allem auf modernere Kompositionen aus dem Jazzbereich, schaffte es zunächst aber mit Arrangements der ersten beiden Sätze des Violinkonzerts g-Moll RV 315 (Sommer) sowie des ersten Satzes des Konzerts F-Dur RV 293 (Herbst) aus Antonio Vivaldis wohl bekanntestem Werk „Die vier Jahreszeiten“ und der anschließenden Bearbeitung des 1. Satzes aus Ludwig van Beethovens Fünfter Sinfonie op. 67 eindrucksvoll, die klassischen Kompositionen dank der Umarbeitung für eine reine Saxophonbesetzung in einem bislang nie gehörten Gewand erscheinen zu lassen.

Mit Stücken von Dave Brubeck und Klaus Doldinger (Tatort) gelangten die weltweit aktiven Musiker mit der Kleinen Fuge in g-Moll BWV 578 schließlich zurück zu Johann Sebastian Bach und bewiesen mit diesem komplex-polyphonen Stück erneut die enorme Qualität ihres musikalischen Zusammenspiels.

Nach der Zugabe Quintessence goes pop, einer Eigenkomposition des Sopran-Saxophonisten Uli Lettermann, die, von Jazz- und Pop-Elementen durchzogen, die ganz eigene Klangwelt des Ensembles offenbarte, zog das Quintett unter den Klängen ihrer Jazz-Version der Ode an die Freude aus dem Schlusssatz der Neunten Sinfonie op. 125 Ludwig van Beethovens aus der Aula des Löwengebäudes aus und setzte somit den Schlusspunkt eines mitreisenden Konzerts, in dem sowohl Jazz- als auch Klassik-Liebhaber in den Genuss ausnahmslos hörenswerten musikalischen Neulands kamen.

Text: Pascal Schiemann

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