Israel II: „Ein Konzert aus Erfahrungen“

28.03.2012 von Sarah Huke in Studium und Lehre, Campus
Weiterbildung in Israel: Die Besonderheiten des Landes und seine ungewöhnlichen Schul- und Lehrformen beschreiben die Studenten der Uni Halle im zweiten Teil der Serie. Maxi Schreier, die im 3. Semester Förderschulpädagogik studiert, genoss die friedvolle Schulatmosphäre.
Filmisch festgehalten - israelische Studentin erklärt das Schulsystem.
Filmisch festgehalten - israelische Studentin erklärt das Schulsystem. (Foto: Robert Kruschel)
Maxi Schreiber (rechts) schnappte tausend neue Ideen auf
Maxi Schreiber (rechts) schnappte tausend neue Ideen auf
(Foto: privat)

Die Idee unserer Reise, mehr über demokratische Bildung zu erfahren, realisierte sich in einem perfekten Mix aus Praxis und Theorie. An den Vormittagen besuchten wir verschiedene demokratische Schulen in ganz Israel und haben im Abschluss unsere Eindrücke und Fragen im "Institute of Democratic Education" in Tel Aviv in Form von Workshops, Vorträgen und heißen Diskussionen thematisiert.

Insgesamt haben wir in fünf unterschiedliche Schulen versucht hinter die Kulissen zu schauen, um uns selbst ein Bild zu machen. Dabei fiel vor allem auf, dass sich dieses reformpädagogische Konzept in keine vorgefestigte starre Form bringen lässt. Jede Schule ist anders. Und gerade das ist das Spannende. Die Schulen sind wie die Kinder sie gestalten. Allen voran haben sie eines gemeinsam: die Schulversammlung. Mehr oder weniger regelmäßig treffen sich Schüler, Lehrer, manchmal auch Eltern, zu einer großen Versammlung und es wird über Anträge basisdemokratisch abgestimmt. Ein Mensch - eine Stimme.

Ich persönlich habe die meist friedvolle Atmosphäre an diesen Schulen besonders genossen. Selbstbestimmtes Lernen ohne vorgesetzten Stundenplan lässt die Kinder freier entscheiden und sich selbstbewusster bewegen. Schon am Geräuschpegel kann man deutliche Unterschiede zu Regelschulen wahrnehmen. Mir schien, als wären Schüler und Lehrer gern an diesem Ort und fühlen sich wohl in ihrer Schule. Und so sollte es eigentlich auch sein.

In tieferen Gesprächen und Interviews wurden aber auch kritische Punkte ans Tageslicht geholt, die mir neu zu denken gegeben haben. Mit tausend neuen Fragen, Gedanken und Ideen bin ich aus den Schulen gegangen um nun umso motivierter diesen nachzugehen.

Alexander Herbst, 5. Semester Lehramt an Förderschulen, will das deutsche Schulinstrument besser stimmen:

Alexander Herbst: "Stark beeindruckt hat mich, wie zielstrebig Schulentwicklung betrieben wird."
Alexander Herbst: "Stark beeindruckt hat mich, wie zielstrebig Schulentwicklung betrieben wird."
(Foto: privat)

Wenn ich darüber schreiben will, was mir von der Reise am stärksten in Erinnerung geblieben ist und warum, so fällt mir das schwer, da mir im Nachhinein so viele verschiedene intensive Eindrücke im Kopf klingen. Es ist ein Konzert aus Erfahrungen mit gastfreundlichen Studierenden, mit der Geschichte und aktuellen Situation des Landes, mit besonderen Bildungslandschaften, mit einer spannenden Reisegruppe und mit einer anderen Art zu studieren. Wenn ich nun eine Stimme des Orchesters genauer beschreibe, konzentriere ich mich auf eine, von der ich glaube, dass sie in Deutschland noch zu leise spielt. Stark beeindruckt hat mich, wie zielstrebig die Schulentwicklung hin zu einer Demokratisierung der Schulen vom „Institute for Demoratic Education“ (IDE) betrieben wird. Mittlerweile gibt es 25 demokratische Schulen in diesem Land, das so groß ist wie Hessen. Die Komposition aus Vernetzung von Akademie und Schulen über Weiterbildungen und das „Pioneer Programm“ und die Vernetzung der Schulen mit der Stadt über das Projekt „Education cities“, dirigiert vom basisdemokratisch organisierten und staatlich finanzierten IDE, klang inspirierend. Vielleicht gelingt es auch hier irgendwann unsere Instrumente besser zu stimmen.

Im dritten Teil erklärt Dozent Robert Kruschel diese Woche, was demokratische Schulen sind und wie inklusive Bildung funktioniert.

Teil 1: Ein neuer Blick auf Bildung – dank Israel

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