Hymnen aus Halle

07.10.2014 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Campus
Zwei Konzerte hat die Uni-Bigband Halle in Brasilien bereits absolviert, in dieser Woche folgen drei weitere. Vom Auftritt am Tag der Deutschen Einheit, von Traumstränden, Meerkatzen und der Suche nach den richtigen Instrumenten berichtet Bandleader Hartmut Reszel in seinem zweiten Beitrag aus Recife. zu Teil 1 von Hartmut Reszels Bericht 2. Oktober: Auf der Suche nach Percussion
Die Uni-Bigband vor dem Konzert in Recife. Die Stadt hat mehr als drei Millionen Einwohner.
Die Uni-Bigband vor dem Konzert in Recife. Die Stadt hat mehr als drei Millionen Einwohner. (Foto: UBB Halle)

Gestern haben wir nach dem Frühstück die deutsche, die europäische und die brasilianische Hymne für unseren heutigen Auftritt zum Tag der Deutschen Einheit im Generalkonsulat in Recife geübt. Bei der brasilianischen Hymne stand auf einmal das gesamte Küchenpersonal hinter uns und hat mitgesungen! Sogar einige Tränen der Rührung waren zu sehen. Es war plötzlich ein sehr feierlicher Moment in ungewöhnlicher Umgebung. Unserem Gastgeber Martin wurde dann erzählt, man hätte die Hymne noch nie so schön gehört. Vielleicht ist auch deshalb unser Essen hier so lecker?

Dann hatten wir einen freien Tag und uns eine Wanderung zum Strand vorgenommen. Sechs Kilometer ist ja „nur“ eine gute Stunde Wanderung … allerdings bei 30 Grad Celsius, Sonnenschein und sicherlich 80 Prozent Luftfeuchtigkeit! Weißer Sand, warmes Meer ohne Haie, dazu gekühlter Kokossaft direkt aus einer frisch aufgeschlagenen Kokosnuss – so schön kann das Leben in Brasilien sein! Unterwegs sahen wir in den Dörfern allerdings auch wieder die andere, oft traurige und sehr arme Seite Brasiliens sowie die großen gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Prunkvilla mit Pool und einfachster Hütte.

Martin war übrigens mit unserem Percussionisten Peter von 6.30 Uhr bis zum Nachmittag an der Uni unterwegs, um für heute Percussion und die anderen benötigten Instrumente und Notenständer zu besorgen. Viel Stau, viel Warten, viele vage Aussagen und Verweise auf andere Personen und am Ende die Meinung von Martin: „Ich hab ein gutes Gefühl“! Peter war nach dem Tag völlig fertig und traurig, eigentlich nichts erreicht zu haben. Aber nach einem Caipirinha hatte auch er sich mit der brasilianischen Lebensart wieder versöhnt.

3. Oktober: Auftritt im Generalkonsulat

Der Bus war fast pünktlich - nur 20 Minuten Verspätung! Allerdings war der Nachmittag gefüllt mit der Organisation der Instrumente, der Fahrt und dem Soundcheck. Zuerst besorgten wir alles, was wir brauchten, aus der Uni in Recife und sogar für Peter ließen sich nach langer Verhandlung noch ein paar Percussioninstrumente auftreiben. Dann ging es zum Castelo de Cinco Pontas, wo der Empfang des deutschen Generalkonsulates zum Tag der Deutschen Einheit stattfand.

Es blieb noch Zeit für einen kurzen Besuch der Altstadt von Recife, die unmittelbar vor den Toren des Castelo liegt. Uns erwartete ein kurzer spannender Ausflug in die Widersprüche des brasilianischen Lebens. Turbulentes Markttreiben, chaotische Stromleitungen, belebte Plätze neben Obdachlosen, die sich in Pappkartons zum Schlafen einrichteten - der totale Kontrast zu dem zauberhaften Ambiente des Castelo, nur einen Steinwurf entfernt, in das wir zurückkehrten. Dort erwartete uns das elegante Brasilien, denn zum Empfang waren zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und in Recife lebende Deutsche eingeladen.

Unser Auftritt wurde dann sehr wohlwollend und mit reichlich Applaus aufgenommen. Der Generalkonsul, Dietmar Bock, sprach in seiner Rede von einem „musikalischen Leckerbissen“ aus Halle. Besonders die von uns intonierte brasilianische Hymne fand großen Anklang und Begeisterung. Zahlreiche Gäste zollten uns auch in vielen persönlichen Gesprächen Lob, zum Beispiel für unsere Händel-Bearbeitung, die wir quasi als Hymne aus Halle präsentierten.

Es war für die ganze Band und auch für mich persönlich ein sehr berührendes Erlebnis, gerade im 25. Jahr der friedlichen Revolution die Martin-Luther-Universität und die Stadt Halle in diesem Zusammenhang in Brasilien vertreten zu dürfen. Vor 25 Jahren war dieses Abend für mich so unvorstellbar, wie ein Konzert auf dem Mars. Nach einer Stärkung vom Buffet mit deutschen Spezialitäten ging es glücklich und zufrieden wieder zurück in unser Nazareno-Dorf. Für das Wochenende steht nun etwas Erholung an, denn in der nächsten Woche erwarten uns drei sicherlich wieder aufregende Konzerte.

5. Oktober: Wahlsonntag in Brasilien

Das Hotel „Brisas“ in Porto de Galinhas hat uns für das Wochenende aufgenommen. Ab und zu besuchen uns zur Freude aller kleine possierlichen affenähnlichen Meerkatzen. Heute ging bei Ebbe zu „Wasserlöchern“ im Meer. Auf Felsen, die sich dicht unter der Wasseroberfläche befanden, konnte man im Meer stehen und in den türkisfarbenen Löchern Fische beobachten oder mit ihnen baden. Ein tolles Erlebnis!

Bei der Fahrt durch die Ortschaften der Umgebung bemerkten wir auch die heutige Präsidentschaftswahl durch zahlreiche lange Schlangen an den Wahllokalen. Davor lief der Wahlkampf mit unzähligen kleinen Flyern, Fahnen und Lautsprecherwagen bis zur letzten Minute. Die große Wahlbeteiligung ist übrigens wohl nicht ganz freiwillig, da man sich bei Nichtbeteiligung beim Wahlamt persönlich mit einem triftigen Grund entschuldigen muss, sonst werden wichtige persönliche Dokumente eingezogen. Man muss nicht unbedingt wählen, aber zumindest im Wahllokal erscheinen.

Schade ist es nur, dass mit dem Sonnenuntergang 17.30 Uhr der Tag eigentlich zu Ende ist. Denn auch in Porto de Galinhas wurden wir darauf hingewiesen, dass wir danach die Hotelanlage aus Sicherheitsgründen nicht mehr verlassen sollten. Das Hotelrestaurant schließt ebenfalls bereits um 20 Uhr. Dann erscheint hier alles fast unbewohnt.

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