„Einfach zu schließen, ist keine Herausforderung“

13.04.2015 von Corinna Bertz in Hochschulpolitik, Personalia, Campus
Klaviertöne hallen durch die vierte Etage des Händelhauskarrees. Nichts Ungewöhnliches im Institut für ­Musik. „Nur wenn im Sommer bei offenen Türen Klavierspieler, Bläser und Sänger zeitgleich proben, dann ist das nicht mehr so angenehm“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Auhagen und lacht. In solchen Fällen kann der ­Professor für Systematische Musikwissenschaft künftig ins Melanchthonianum flüchten, an seinen neuen, zweiten ­Arbeitsplatz. Zum 1. März hat der 61-Jährige das Amt des Prorektors angetreten.
Prorektor Prof. Dr.Wolfgang Auhagen
Prorektor Prof. Dr.Wolfgang Auhagen
(Foto: Markus Scholz)

Im Januar ist Wolfgang Auhagen vom Akademischen Senat als Nachfolger von Prof. Dr. Birgit Dräger gewählt worden, die an die Universität Leipzig wechselte. Bis 2018 ist der Musikwissenschaftler im Team des Rektorats nun insbesondere für die Gestaltung und Weiterentwicklung der Strukturen der Universität zuständig. An Herausforderungen mangelt es nicht: Von der Zukunft der kleinen Fächer bis zum Zuschnitt von Instituten angesichts der Sparvorgaben des Landes – alles dreht sich um die Frage, die Auhagen als Prorektor wahrscheinlich bis zum Ende seiner Amtszeit beschäftigen wird: Wie soll ein zukunftsfähiges Profil der Universität Halle aussehen?

Mit Elan und Akribie stürzt sich Wolfgang Auhagen in sein neues Aufgabengebiet. Bereits vor seinem Amtsantritt war er in den Rektoratssitzungen regelmäßig zu Gast. Bei den Verantwortlichen für die Uni-Finanzen ist er ebenfalls zum „Crashkurs“ gewesen. Denn es geht sofort ums Ganze: Jetzt, da der Hochschulstrukturplan des Landes vorliegt und die Zielvereinbarungen unterschrieben sind, ist es Aufgabe des Rektorats, den eigenen Hochschulentwicklungsplan noch einmal zu überarbeiten. Von Rektor Prof. Dr. Udo Sträter und den anderen Prorektoraten habe er in den Wochen der Amtsübernahme viel Unterstützung erfahren.

Die Forschung zur Tonalität muss warten

„Da arbeitet ein wirkliches Team zusammen“, lobt der neue Prorektor. Für Forschung und Lehre bleibt ihm nun weniger Zeit. „Das muss zurückstehen“, bestätigt der Musikwissenschaftler, der sich unter anderem mit der Wahrnehmung von Tonalität beschäftigt hat. „In vielen Musikkulturen kreisen Melodien um einen bestimmten zentralen Ton – das ist mit Tonalität gemeint. Mich interessiert, ob diese Form der Tonorganisation auch für die Hörer eine bestimmte Bedeutung hat.“ Um herauszufinden, wodurch unser Zeitbewusstsein und Tempoempfinden beim Musikhören gesteuert wird, wollte sich Auhagen im Wintersemester 2014/15 eigentlich ganz der Forschung widmen.

Er befragte unter anderem Tanzwissenschaftler zu möglichen Veränderungen des Tempos über die Jahrhunderte, studierte die historische Literatur und prüfte in einer Reihe von Experimenten, welche Einflüsse auf das Zeitempfinden von Menschen einwirken. Dass er diese Untersuchungen als Kandidat für das Prorektorat nicht würde beenden können, war abzusehen. „Nebenbei“ ist Auhagen bis 2017 weiterhin Präsident der Gesellschaft für Musikforschung, dem Fachverband der Musikwissenschaftler in Deutschland. Dennoch entschied er sich für das Amt. „Wir sollten als Universität die Gestaltung unserer Strukturen nicht aus der Hand geben, sondern selbst mitgestalten“, so seine Maxime.

Überlegungen mit Sprengkraft

Zwar geben die Zielvereinbarungen, die im Januar 2015 zwischen Hochschulen und Land unterzeichnet wurden, den Rahmen vor. Doch sieht der Prorektor innerhalb dieses Rahmens noch Gestaltungsspielraum: „Die Musikwissenschaft hat zum Beispiel viele Berührungspunkte mit den Medien- und Kommunikationswissenschaften. Hier ließe sich prüfen, ob eine Zusammenarbeit in einer neuen Struktureinheit sinnvoll ist.“ Auhagen weiß um die Sprengkraft solcher Überlegungen. Dennoch will er verschiedene Szenarien im Dialog mit den universitären Gremien durchspielen. Zum Beispiel im Umgang mit den kleinen Fächern, die teilweise zwar nur wenige Studierende anziehen, deutschlandweit aber oft einmalig und international sehr gut vernetzt sind. Bereiche einfach zu schließen, sei hingegen keine Herausforderung.

Schon während seiner Zeit an der Humboldt-Universität zu Berlin musste Wolfgang Auhagen 1997 als Geschäftsführender Direktor des Instituts für Kultur- und Kunstwissenschaften vor dem Hintergrund einer Spardebatte universitäre Strukturen neu ordnen. Eine kritische Situation, die in Berlin zu großen Zerwürfnissen führte. „Damals lief der Diskussionsprozess nicht optimal“, erinnert sich Auhagen, der es in Halle besser machen will. Die Erfahrungen aus seinen neun Jahren in Berlin sollen ihm dabei helfen.

„Der Weg zu neuen Strukturen muss durch Gespräche gekennzeichnet sein. Wenn wir jetzt transparent mit dem Thema umgehen und Entscheidungen klar begründen können, dann werden sich auch nachfolgende Strukturdebatten einfacher gestalten“, ist er überzeugt. Transparenz bedeutet für ihn: „Den Weg, wie man zu einer Entscheidung kommt, nicht als Top-Down-Prozess sondern im Dialog zu gestalten. Eine wichtige Aufgabe sehe ich darin, eine potenzielle Spaltung der Universität zu verhindern.“

Kontakt: Prof. Dr. Wolfgang Auhagen
Prorektorat für Struktur
Tel.: 0345 55 21460
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