Ein Kampf, ein Tanz - ein Sport mit Spaß!

22.09.2011 von Corinna Bertz in Im Fokus
Aus der Unisporthalle tönen Klänge und Gesänge. Freudig begrüßen mich die Capoeiristas, die sich tänzerisch miteinander bewegen. Heute komme ich dazu, um mehr über diese Ausdrucksform, die einst von Afrika nach Brasilien gelangt und dort heute sehr populär ist, zu erfahren.
Kampfszenen ohne Körperkontakt, dafür mit ständigen Augenkontakt, sind zentrale Elemente beim "Capoeira".
Kampfszenen ohne Körperkontakt, dafür mit ständigen Augenkontakt, sind zentrale Elemente beim "Capoeira". (Foto: Corinna Bliedtner)

Bereits bei den ersten Übungen mit Gruppenleitung Maik Wuttig komme ich ins Schwitzen. Zu rhythmischer Musik, die mit einem Berimbão, einem typisch brasilianischen Instrument, gespielt wird, schlagen wir Räder und machen Figuren, welche meine Mitspieler scheinbar mühelos aneinanderreihen.

Kommuniziert wird durch Bewegung: Capoeira in der Unisporthalle.
Kommuniziert wird durch Bewegung: Capoeira in der Unisporthalle.

Während eines Studien-Auslandssemesters in Brasilien habe ich mich unter brasilianischer Anleitung schon einmal im Capoeira probiert. Jetzt bin ich erneut fasziniert von den fließenden Bewegungen und der inneren Ruhe, die aus der Kombination dieser speziellen Bewegungen und typischer Musik entsteht. Die Dynamik der Studierenden, die hier Capoeira tanzen, begeistert mich und ich habe während dieser 90 Minuten, die wie im Fluge vergehen, großen Spaß.

Der Höhepunkt ist das Zusammenkommen in der "roda", dem Kreis, den die Gruppe singend und klatschend bildet, während zwei Mitspieler sich miteinander innerhalb des Kreises bewegen und mit verschiedenen Figuren eine Kampfszene ohne Körper - aber dafür mit ständigem Augenkontakt - zeigen. Maik erklärt mir, dass hier die klassische Form "Capoeira angola", welche langsam und mit traditioneller Musik verbunden ist, praktiziert wird. Daneben gibt es noch das moderne "Capoeira regional", bei der man sich in weißer Kleidung und ohne Schuhe bewegt.

Als Ausdrucksform im Kampf gegen Unterdrückung und um Freiheit wurde Capoeira in Brasilien von Sklaven mit afrikanischem Ursprung praktiziert. Zunächst galt es als illegal, wurde dann jedoch gesellschaftsfähig und hat sich heute als attraktiver Sport etabliert. Der Körper wird im Capoeira als Instrument der Seele gesehen, während der Übungen kann eine meditative Ebene erreicht werden.

Zwei Capoeiristas im "roda".
Zwei Capoeiristas im "roda".

Seit zwei Semestern nutzt Konrad das Capoeira-Angebot des Unisportzentrums. Auslöser waren sein Interesse am Kampfsport und ein Capoeira-Film. Er schätzt den sozialen Aspekt des Sports und die nonverbale Kommunikation. Seine Kommilitonin Sarah meint: „Dieser Sport hat Suchtpotential. Man kann gar nicht mehr damit aufhören.“ Die Art der Kommunikation sei irgendwie besonders. Außerdem ist Sarah begeistert vom Zusammenspiel aus Sport und Musik.

Mit dem letzten typischen Lied „boa viagem“, zu deutsch „Gute Reise“, verabschiedet sich die Gruppe voneinander.

Im kommenden Wintersemester 2011/12 wird Capoeira erneut am Unisportzentrum angeboten, dann wollen viele Capoeiristas wieder dabei sein.

Text: Corinna Bliedtner Zwei Capoeiristas auf Youtube in Aktion

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