Ein atemberaubender Film

04.02.2013 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Varia, Campus
Plattgedrückte Felle, hunderte von Schmetterlingen, lose baumelnde Hufe, Vögel in Schubladen und tausende aufgespießte Käfer... Pim Zwier zeigt in seinem Film "Atemberaubend" die beeindruckende Vielfalt der Zoologischen Sammlungen und die Arbeit der Präparatoren an der MLU. Am Donnerstagabend (31. Januar) präsentierte der niederländische Regisseur seinen Kurzfilm im Historischen Hörsaal der Zoologie.
Präparator Christoph Dose bei der Arbeit an einem Modell des Karakulschafs (Filmausschnitt)
Präparator Christoph Dose bei der Arbeit an einem Modell des Karakulschafs (Filmausschnitt)

Der Zuschauer taucht ein in eine Welt voller Insekten und Säugetiere, in der es auffallend still ist. Nur die Arbeitsgeräusche der Präparatoren sind zu hören: Rüsselkäfer werden in einem Schaukasten festgesteckt, ein Schaffell wird mit einer Feder glatt gekämmt, einem Modell wird das Fell über die Ohren gezogen. "Atemberaubend" begleitet Taxidermisten und Entomologen bei ihrer faszinierenden Arbeit zwischen Handwerk, Kunst und Biologie.

Zwiers Kamera zeigt die Schätze der Zoologischen Sammlungen, wie sie Besucher noch nie gesehen haben. Sie schaut hinter Vitrinenscheiben, fährt mit einer Lupe über winzige Insekten hinweg und blickt den präparierten Tiere ins Glasauge. "Dieser Film ist die wertvollste filmische Dokumentation, die wir von der Zoologischen Sammlung besitzen", sagt Dr. Frank Steinheimer, Leiter des Zentralmagazins Naturwissenschaftlicher Sammlungen. Und nicht nur davon: Auch im Geiseltalmuseum hat der Niederländer gedreht. Teile des nicht gezeigten Drehmaterials hat er dem Zentralmagazin zur Verfügung gestellt.

Viele Mitarbeiter des Instituts und auch die Protagonisten des Films sind an diesem Abend anwesend. Nach der Vorführung erzählt Zwier von den besonderen Herausforderungen des Drehs zwischen Vitrinenglas und toten Tieren. Wer sehen wollte, wo der Films entstanden ist, den führten Kustodin Dr. Karla Schneider und Frank Steinheimer im Anschluss durch die Sammlungen.

3 Fragen an Pim Zwier

Sie wollten Ihren Film zuerst in den Franckeschen Stiftungen drehen. Warum haben Sie sich dann für die Zoologischen Sammlungen entschieden?

Ich war zuerst in den Stiftungen und habe kurz danach die Zoologie besucht. Die Stiftungen sind modernisiert worden, sie sehen für einen Film fast zu gut aus. Mit einer Modernisierung geht für mich etwas von der ursprünglichen Atmosphäre des Ortes verloren. Die Zoologischen Sammlungen wirken noch sehr authentisch. Wenn ich mir hier umschaue, könnte ich nicht sofort genau sagen, in welcher Zeit ich mich gerade befinde. Nur der Feuerlöscher verrät das vielleicht.

Wie haben Sie mit den Präparatoren und Entomologen zusammengearbeitet?

Ich habe vor den Dreharbeiten viel mit den Leuten geredet, die ich filmen wollte. Damit wir uns kennenlernen und sie mir soweit vertrauen können, dass sie auch beim Filmen ganz relaxt ihrer Arbeit nachgehen. Die Zusammenarbeit war sehr gut.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Ich arbeite immer an fünf bis sechs Projekten zugleich. Man weiß ja nie, ob ein Projekt gelingt. Das Museum für Haustierkunde interessiert mich sehr. Gestern habe ich mir 1.200 Fotos aus den Beständen des Museums angeschaut. Diese Bilder sind wirklich beeindruckend! Damit werde ich eventuell digital experimentieren.

Zum Regisseur und Film:

Pim Zwier ist freischaffender Filmemacher und Kurator. Er lebt und arbeitet in Amsterdam und war 2011 Werkleitz-EMARE-Stipendiat. "Atemberaubend" wurde mit Mitteln der Kunststiftung Sachsen-Anhalt und des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Der Film ist als Videoinstallation angelegt, drei Monitore zeigen zeitgleich verschiedene Sequenzen. Er wurde bereits auf Festivals in Kassel und Stuttgart gezeigt. "Atemberaubend" ist 2013 auch auf der langen Nacht der Wissenschaften in Halle zu sehen.

Text: Corinna Bertz

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