Das Date mit Duke

17.01.2013 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Campus
Sie kam 1999 an die Martin-Luther-Universität und arbeitet in der Nachbarschaft von mehr als 12.000 Pflanzen aus der ganzen Welt. Isabell Hensen fühlt sich wohl in ihrem Büro am Kirchtor, in den Gewächshäusern des Botanischen Gartens, auf Reisen in tropische Bergwälder. Aber die Professorin für Pflanzenökologie hat noch eine Leidenschaft, die nichts mit Pflanzenblättern zu tun hat. Sondern mit Notenblättern. Sie spielt Querflöte in einer Band, die ihren Namen trägt, und erzählt in Folge 3 unserer Unimagazin-Serie über "musizierende Hochschullehrer", wie es dazu kam.

Wenn Isabell Hensen an einem Dienstagmorgen pfeifend und singend ihr Büro ansteuert, lächeln viele Kollegen wissend. Ihr Date mit Duke Ellington hat sich herumgesprochen.

„Diese Musik macht einfach Spaß.“ Isabell Hensen mit ihrer Querflöte im großen Gewächshaus des Botanischen Gartens.
„Diese Musik macht einfach Spaß.“ Isabell Hensen mit ihrer Querflöte im großen Gewächshaus des Botanischen Gartens.
(Foto: Maike Glöckner)

Montag ist Jazz-Tag. Statt Pflanzen hat die 52-Jährige dann Noten im Blick bei der abendlichen Probe in einer kleinen Leipziger Musikschule. Eine bunt gemischte Truppe trifft sich dort. Eine Architektin ist dabei, ein Baumkletterer, ein Ingenieur, eine Ärztin und eine Kindergärtnerin. Zwischen 28 und 56 Jahre sind die Musiker alt. Zusammen bilden sie die „Hensen Bigband“. Für den Namen könne sie nichts, betont Isabell Hensen, die die 2008 gegründete Band als eingeschworenen Freundeskreis beschreibt. „13 der 15 Bandmitglieder haben sich dafür ausgesprochen. Mein Mann und ich waren überstimmt.“

Die geschäftsführende Direktorin des Instituts für Biologie spielt Querflöte. Als Studentin in Oldenburg hat sie sich in den 1980er Jahren ihr erstes Exemplar gekauft. „Nur Geld für Unterricht hatte ich nicht.“ 2005 lag dann ein Gutschein ihres Mannes unterm Weihnachtsbaum. „Er schenkte mir fünf Querflötenstunden. So ist das Ganze ins Rollen gekommen.“ Perfekt sei sie noch immer nicht. „Einen schönen Ton rauszukriegen, ist richtig schwer – da bin ich mit mir oft auch heute noch ein bisschen unzufrieden.“

Zeit zum Üben sei viel zu selten. „Aber wenn ich abends nach Hause komme, sitzt mein Mann oft schon am Klavier und spielt, dann geselle ich mich dazu.“ Auf ihre Forschungsreisen in tropische Bergwälder Boliviens oder neuerdings auch in die südwestsibirische Kulundasteppe nimmt Isabell Hensen ihre Querflöte in der Regel nicht mit. „In La Paz hatte ich sie einmal dabei, habe dort bei Freunden übernachtet. Aber an Proben war kau zu denken – das Haus war ganz schön hellhörig.“

Das Musizieren sei der perfekte Ausgleich für den Uni-Alltag, sagt die Pflanzenökologin. Noch besser als Radfahren und Wandern. Allerdings stelle sich bei Auftritten eine besondere Anspannung ein. Vor dem alljährlichen Weihnachtskonzert auf der kleinen Bühne im Leipziger Café Schiller sei ihr

Lampenfieber groß. „Ich kann mich besser vor 300 Studierende stellen und einen Vortrag halten, obwohl beim Weihnachtskonzert nur Freunde und Familienmitglieder kommen.“ Immerhin hat die „Hensen Bigband“ inzwischen auch schon einige öffentliche Auftritte absolviert, so bei der Eröffnung der Leipziger Notenspur im Frühjahr.

Anlässlich des 50. Geburtstags der Professorin spielte die Band für Kollegen und Studierende im Botanischen Garten. „Alle waren begeistert“, erinnert sich Hensen. „Kein Wunder, diese Musik macht einfach Spaß.“ Als Beweis schickt sie wenige Tage nach unserem Gespräch eine DVD vom Weihnachtskonzert 2011. Dem Sog des Bigband-Sounds kann man sich in der Tat kaum entziehen, sobald die ersten Takte erklingen. Es ist der „C-Jam-Blues“, mit dem die Band das Konzert begann. So ein Date mit Duke Ellington zaubert einem gleich ein Lächeln ins Gesicht. Carsten Heckmann

Schlagwörter

Kommentar schreiben