„Das Amt macht Spaß“

08.03.2016 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Hochschulpolitik, Campus
Seit fünf Monaten ist Prof. Dr. Wolf Zimmermann Prorektor für Studium und Lehre an der Universität Halle. Egal ob Zulassungsverfahren, Studienordnungen oder ASQ-Module – vieles hat der Informatiker seit seinem Amtsantritt unter die Lupe genommen. Im Interview spricht er jetzt über konkrete Vorhaben und erste Ergebnisse im Bereich Studium und Lehre.
Prof. Dr. Wolf Zimmermann
Prof. Dr. Wolf Zimmermann
(Foto: Markus Scholz)

Nach Ihrer Wahl zum Prorektor haben Sie gesagt, dass Sie sich zuerst die Prozesse im Bereich Studium und Lehre genauer anschauen wollen. Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?

Wolf Zimmermann: Mein Eindruck ist, dass manche Prozesse optimiert werden können. Da sind wir auch schon zu ersten Ergebnissen gekommen, die ich dem Senat bereits vorgestellt habe: Die Immatrikulation in die Bachelor-Studiengänge wird in Zukunft einstufig erfolgen.

Warum war es wichtig, diesen Prozess schnell zu optimieren?

Die Uni Halle ist im Rahmen des Hochschulpakts verpflichtet, möglichst viele junge Leute für ihre Studienangebote zu gewinnen. Das einstufige Zulassungsverfahren kann uns dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen, weil es den Einschreibungsprozess für Studienbewerber vereinfacht und verkürzt. Bislang mussten Studienbewerber ihre Abi-Zeugnisse an die Universität schicken und erst nach der Prüfung dieser Zeugnisse wurden sie aufgefordert, die restlichen Unterlagen zu senden. Einstufig heißt, dass sie jetzt alle Unterlagen auf einmal an die Universität schicken können und nach der Prüfung dieser Papiere direkt zum Studium zugelassen werden. Gemeinsam mit dem Immatrikulationsamt werden wir versuchen, das neue Verfahren für die zulassungsfreien Studiengänge zum Wintersemester 2016/17 umzusetzen. Bei den zulassungsbeschränkten Studiengängen wird das noch ein wenig länger dauern.

Gab es Punkte, die für Sie als Prorektor neu waren?

Neuland sind für mich solche Dinge wie die Kapazitätsgespräche mit den Fakultäten – die Verhandlung darüber, wie viele Studierende im kommenden Semester in einem Studiengang aufgenommen werden können. Das kannte ich bislang nur aus Fakultätssicht. Für mich ist das natürlich eine gute Gelegenheit, die verschiedenen Studiengänge in den Fakultäten kennenzulernen.

Welche Themen haben Sie sich noch vorgenommen?

Zum Beispiel die Änderungssatzungen für Studien- und Prüfungsordnungen. Wir suchen nach einem besseren, flexibleren Verfahren, mit dem man den bürokratischen Aufwand verringern kann. Aus meiner Zeit als Studiendekan weiß ich, dass an den Ordnungen ständig etwas geändert wird – etwa die Inhalte oder der Umfang einzelner Studienmodule. Die dafür notwendigen Änderungssatzungen belasten mittlerweile alle Seiten. Deshalb stellt sich die Frage, was wirklich in dieser Ordnung geregelt sein muss und welche Dinge sich vielleicht regeln lassen, ohne dass man die Senatskommission und den Senat damit befassen muss. An dem Prozess selbst wird man nichts verändern können. Wir können lediglich versuchen, die Ordnung so zu gestalten, dass nicht jede Änderung diesen gesamten Prozess durchlaufen muss. Entsprechende Modelle gibt es in anderen Hochschulen im Land.

Haben Sie weitere langfristige Ziele als Prorektor?

Wir wollen auch den Bereich der allgemeinen Schlüsselqualifikationen – kurz ASQ – neu ordnen. In den ASQ-Modulen werden fächerübergreifend Fähigkeiten vermittelt, die Studenten den Einstieg und das Arbeiten in der Berufswelt erleichtern sollen. Gemeinsam mit den Studierenden hat das Prorektorat einen Fragebogen gestaltet, um im Laufe des kommenden Sommersemesters die ASQ-Angebote zu evaluieren. Anhand der Ergebnisse werden wir darüber diskutieren, welche Maßnahmen für eine inhaltliche Neuordnung notwendig sind. Bei manchen Angeboten stellt sich die Frage, ob es wirklich immer um die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen geht. Vielleicht muss man im ASQ-Bereich künftig auch stärker danach unterscheiden, aus welchen Bereichen die Studierenden kommen, um das Angebot gezielter aufstellen zu können. Man kann diese Module eigentlich nie so gestalten, dass sie Studierende aus den Natur- und den Geisteswissenschaften gleichermaßen ansprechen.

Ein Thema, das viele Uni-Angehörige in diesem Jahr beschäftigt, sind die mit dem Land vereinbarten Anpassungen der Uni-Struktur in diesem Jahr. Wie sind Sie da als Prorektor involviert?

Die Gespräche des Rektorats mit den Dekanen sind gerade im Gange und ich bin sehr froh, wie Kontroversen diskutiert werden. Positiv ist mir aufgefallen, dass sich das Rektorat und auch die Dekane als Team verstehen. Natürlich vertreten die Dekane die Interessen der Fakultäten, aber ich finde es gut, dass sie dabei die Universität als Ganzes nicht aus dem Blick verlieren. Wir versuchen, die Dinge im Konsens zu regeln.

Forschen Sie neben dem Prorektoren-Amt auch weiterhin am Institut für Informatik?

Ja, das kriege ich hin. Man muss sich allerdings die Zeit für das Institut auch reservieren. Es gibt einen Tag in der Woche, an dem ich nie im Prorektorat bin. Das Tagesgeschäft als Prorektor habe ich vielleicht etwas unterschätzt. Ich hätte nicht gedacht, dass man die viel Zeit mit Besprechungen verbringt. Zurzeit stehen auch viele Begehungstermine für die Akkreditierung von Studiengängen an. Aber ich habe meine Entscheidung noch nicht bereut, das Amt macht Spaß.

Was macht Spaß daran?

Es gibt bestimmte Dinge, die ich schon immer mal anstoßen wollte – und jetzt kann ich es. Gleichzeitig spüre ich, dass ich Rückendeckung durch die Fakultäten und den Senat habe. Wenn ich es bis zum Ende meiner Amtszeit geschafft habe, die Immatrikulations-Prozesse zu beschleunigen, die Prüfungsordnungen anzupassen und den ASQ-Bereich neu zu ordnen, dann wäre ich sehr zufrieden.

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