Das Akademische Orchester rockt

29.05.2012 von Corinna Bertz in Varia
Das Akademische Orchester der Martin-Luther-Universität sorgte in den vergangenen Wochen für Furore. Auch der bevorstehende Sommer gestaltet sich außerordentlich ereignisreich für den beliebten Klangkörper: eine Japan-Reise steht an. Scientia halensis sprach mit Orchester-Chef Matthias Erben.
Gemeinsamer Auftritt der ungarischen Kultband OMEGA mit dem Akademischen Orchester in Dresden.
Gemeinsamer Auftritt der ungarischen Kultband OMEGA mit dem Akademischen Orchester in Dresden. (Foto: Steffen Nitzsche)

Herr Erben, seit April 2012 häufen sich die Auftritte des Orchesters, das dabei nicht nur mit klassischer Musik von sich reden machte. Vor kurzem gab es auch mit der legendären ungarischen Kultband Omega Rock-Events, die unzählige Fans auf den Plan riefen...

Ja, nach dem leicht beschwingten Frühlingskonzert Ende April gemeinsam mit dem holländischen Jugendorchester Bloembollenstreek, bei dem unter anderem Werke von Händel, Mozart und Strauß erklangen, wurde es rockig für uns. Gemeinsam mit der ungarischen Band Omega, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiert, gab es eine aktuelle Show-Produktion, die zu einer großen Rhapsody-Jubiläums-Tour gehörte.

Wie kam das eher klassisch ausgerichtete Akademische Orchester mit der Band zusammen?

Beide Ensembles hatten bei Händels Open im vergangenen Jahr bei einer ausverkauften Veranstaltung auf dem halleschen Hallmarkt bewiesen, dass Rock - begleitet durch klassische Orchesterbesetzung - eindrucksvolle Sounds hervorzubringen vermag. So bestritten Omega und das Akademische Orchester jetzt zwei Konzerte erneut gemeinsam: am 10. Mai im Leipziger Gewandhaus und 12. Mai im Dresdner Kulturpalast.

Matthias Erben,
Matthias Erben,
(Foto: privat)
Und wie kamen die Konzerte beim Publikum an?

Es war „Ober-Hammer“! Unsere „Omega Symphony“ rief wahre Begeisterungsstürme hervor. János Mecki Kóbor, Sänger und Kopf der Band, hat Energie ohne Ende – wenn er auch auf die Siebzig zugeht. Das Singen fällt ihm leicht und macht immer noch Spaß. Es krachte von der Bühne, und der unsterbliche Rock´n´Roll begeisterte die Fans. Rund 1200 waren in Leipzig gekommen und mehr als 1600 in Dresden. Die Atmosphäre stimmte und bei den Zugaben stand das komplette Publikum auf und klatschte.

Welche Musik konnten die Fans erleben?

In den Konzerten unter dem Motto „Vielfalt statt Einfalt“ wurde zuerst die neue Omega-Sinfonie gespielt, begleitet vom Akademischen Orchester. Es folgte die Rhapsody mit Songs aus den Jahren 1975-1995. Zum Schluss gab es den Nostalgie-Block. Anlässlich des 50.Jubiläums erscheint die CD „Greatest Performances“.

Welche weiteren Highlights sind jetzt zu erwarten?

Jetzt bereiten wir uns nicht nur auf die Händelfestspiele vor. Am Vorabend der Eröffnung der Händelfestspiele (Dienstag, 29. Mai, d. Red.) führt das Kammerorchester gemeinsam mit zwei japanischen Chören den „Messias“ um 20 Uhr in der Aula im Löwengebäude auf. Bei diesem deutsch-japanischen Freundschaftskonzert musizieren der Händel-Chor aus Nagoya und Chorvereinigung Sendai, außerdem Mitglieder des Bachchors Leipzig und das Kammerorchester der MLU unter der Leitung des Nikolaikantors Jürgen Wolf. Solisten sind Julia Preußler, David Erler, Albrecht Sack und Seiji Kumaki. Es handelt sich um ein Benefizkonzert für UNICEF unter der Schirmherrschaft der Prorektorin Gesine Foljanty-Jost.

Japan wird ja ohnehin für das Orchester in diesem Jahr groß geschrieben?

Ja, das Konzert am 29. Mai ist auch der symbolische Auftakt zu der Japan-Tournee, die den Höhepunkt der aktuellen Konzertsaison darstellt. Sie beginnt am 24. Juli 2012 in der Stadt Sendai im Norden Japans mit einem Gedenkkonzert für die Tsunami-Opfer. Auch dort führen wir zweimal den Messias auf und viele der Chorsänger des ersten Auftritts sind wieder dabei. Bis zum 1. August gibt es in Japan insgesamt fünf Konzerte.

Wie entstand der musikalische Kontakt zu Japan?

Seit vielen Jahren spielt der Hornist Katsuaki Ichikawa aus Tokio im Akademischen Orchester, der jetzt am Musikinstitut der Uni promoviert. Er half diesen interkulturellen Kontakt zu knüpfen und auszubauen. Erstmals war das Ensemble 2003 in Japan unterwegs, wo gerade Händels oder Beethovens Musik große Begeisterung auslöst. Musik ist nicht nur eine Botschaft, sondern öffnet auch Türen und Herzen!

Auch bei den Händelfestspielen ist das Orchester dabei…

Wie immer. Zwei Tage nach dem Messias in der Aula bestreiten wir gemeinsam mit dem Stadtsingechor die Feierstunde am Händeldenkmal, die den Auftakt der Händelfestspiele darstellt. Im Rahmen der Festspiele folgt noch ein weiterer Auftritt.

An eine Sommerpause denken Sie also keineswegs?

Nein, musikalisch es geht immer rund: In der „Serenade zur Mittsommernacht“ am 21. Juni ab 20 Uhr stehen in der Zerbster Kirchenruine St. Nicolai, bei Regen in der Trinitatis-Kirche, die Figaro-Ouvertüre von Mozart, das Flötenkonzert G-Dur von Quantz, Brahms‘ 1. Serenade D-Dur op. 11 sowie zwei Sätze aus der Suite e-moll von Fasch auf dem Programm. Am 5. Juli spielen wir um 20 Uhr vor dem Löwengebäude traditionell eine Serenade am Vorabend der Langen Nacht der Wissenschaften mit Werken von Mozart, Rodrigo und Brahms. Und schließlich gibt es nach Japan im August noch einmal in Berlin ein Konzert mit Omega (17.08. Zitadelle Spandau, d. Red.).

Interview: Ute Olbertz Tickets für das Konzert in Halle am 29. Mai gibt es im Uni-Shop (Marktschlösschen) für 7 Euro / erm. 4 Euro (zzgl. VVK). Öffnungszeiten: Mo-Fr 09-19 Uhr. Die Abendkasse öffnet um 19:15 Uhr.

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