BMBF-Projekt zu Heilpflanzen in Afrika: Erster Workshop in Tansania

04.12.2017 von Lucie Moeller in Wissenschaft, Forschung, Internationales
Etwa 80 Prozent der Einwohner Afrikas suchen bei Krankheiten traditionelle Mediziner auf. Die Heiler nutzen für die Behandlung häufig Heilpflanzen, die sie selbst gesammelt haben. Welches pharmazeutische Potenzial in diesen Pflanzen steckt, soll das internationale Forschungsprojekt „Tri-Sustain“ unter Leitung der Martin-Luther-Universität klären. Mitte November fand in Bagamoyo, Tansania, der erste Workshop statt. Dr. Lucie Moeller aus dem Projektteam berichtet von der Veranstaltung.
Die Projektmitglieder von "Tri-Sustain" während ihres ersten Workshops in Tansania
Die Projektmitglieder von "Tri-Sustain" während ihres ersten Workshops in Tansania (Foto: Norbert Arnold)

Vom 14. bis 18. November 2017 fand im tansanischen Bagamoyo nahe der Metropole Dar-es-Salam der erste Workshop statt, bei dem die beteiligten Nachwuchswissenschaftler in die Vorarbeiten und analytischen und therapeutischen Methoden eingeführt wurden. Am Workshop nahm auch Banyatsi Setilo teil, der Vorsitzende der Dachorganisation traditioneller Heiler in Botswana.

Es kommt immer häufiger dazu, dass die Heilpflanzen auf den anberaumten Sammelstellen nicht mehr vorkommen. Setilo nannte in seinem Impulsvortrag die häufigsten Gründe für das Schwinden der Heilpflanzenbestände: „Die Rodung durch uninformierte Personen, die in städtischen Gebieten mit den Heilpflanzen viel Geld verdienen und nicht wissen, wie man nachhaltige Lese betreiben soll. Für die Wälder ist der Staat zuständig. Die Einwohner, die die Zeugen der Rodungen sind, haben keine Handhabe.“

Dr. Marks Dithlhogo von der Universität Botswana nannte noch weitere Gründe für die Bedrohung der Heilpflanzen: „Auch der Klimawandel, Brände und die Zerstörung des Lebensraumes spielen eine bedeutende Rolle.“ Die Forscher sind sich einig: Die Kultivierung von Heilpflanzen, die für therapeutische Zwecke von hoher Bedeutung sind, würde gleichzeitig einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen leisten. Beim Workshop wurden Pflanzen ausgewählt, die auf ihre Heilwirkung untersucht und deren Kultivierung schließlich verfolgt werden soll. Der wissenschaftliche Beweis der Wirkungen von afrikanischen Heilpflanzen sowie die Standardisierung und Modernisierung von pflanzlichen Produkten fehlen bislang.

Diese Probleme werden in „Tri-Sustain“ angegangen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Deutsche Akademischen Austauschdienst (DAAD) fördern die Initiative, die die Sicherung der bioökonomischen, ökologischen und therapeutischen Nachhaltigkeit medizinisch genutzter Heilpflanzen Südost-Afrikas sicherstellen soll. Im Fokus stehen dabei Heilpflanzen, die eine Wirkung gegen HIV, Tuberkulose und Wurmerkrankungen ausweisen. Das Projekt zeichnet sich durch hohe Interdisziplinarität aus. Geleitet wird es von der Martin-Luther-Universität. An der Uni Halle liegen bereits langjährige Erfahrungen mit der Isolierung von Wirkstoffen aus Heilpflanzen vor. Die Strukturaufklärung und Testung von Wirkungen gegen Wurmerkrankungen übernimmt das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie in Halle. Die Nutzung in der Dermatologie überprüft das Institut für angewandte Dermatopharmazie, ein An-Institut der Universität Halle. Die afrikanischen Partneruniversitäten in Tansania, Botswana und Äthiopien bringen ihre Kenntnisse der einheimischen Heilpflanzen und Anwendungen ein sowie Tests auf Wirksamkeit gegen HIV, den AIDS-Erreger mit ein. Im Projekt sind Nachwuchswissenschaftler an allen beteiligten Institutionen aktiv.

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Pharmazie

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