Bio mit Bibel: Das Unerklärbare erklären

12.11.2012 von Sarah Huke in Im Fokus
Mit einem etwas unsicheren Gefühl betrat die Lehramtsstudentin Marie-Therese Werner vor acht Semestern den Seminarraum des Instituts für Katholische Theologie an der Martin-Luther-Universität: „Ist es schlimm, dass ich auch noch Biologie studiere?“
Zwischen biologischen Fakten und theologischen Diskussionen: Ihre beiden Studienfächer ergänzen sich gut, findet Marie-Therese Werner.
Zwischen biologischen Fakten und theologischen Diskussionen: Ihre beiden Studienfächer ergänzen sich gut, findet Marie-Therese Werner. (Foto: Thomas Meinicke)

Schnell wurde sie von ihren Dozenten beruhigt, die sich auf den Austausch zwischen den Wissenschaften und den Input freuten. Heute kann die 22-Jährige selbst mit Vorurteilen aufräumen. Für sie ist die Theologie einfach eine Wissenschaft, die auch das Nicht-Sichtbare betrachtet und dadurch Raum schafft für die unbeantwortbaren Fragen der Biologie.

Nicht nur das enorme Potenzial an Diskussionsstoff der Fächerkombination reizt die Studentin, auch die verschiedenen Arbeitsweisen. „Die Biologie fragt nach dem Wie des Lebens und bietet dafür Fakten an. Die Theologie hingegen fragt nach dem Warum und lässt Platz für Diskussionen und Spekulationen“, erklärt Werner. Für sie ist die Biologie der beruhigende Part im Studium, der Ausgleich zu den manchmal nicht abzuschließenden Denkprozessen in der Theologie.

Dies zeigt sich auch in der unterschiedlichen Gestaltung der Studienfächer. An einem der kleinsten Institute der Uni Halle – der Katholischen Theologie und ihrer Didaktik – herrscht eine familiäre Atmosphäre, die sich in kleinen Seminargruppen und dem direkten Kontakt zu den Lehrenden niederschlägt. Anders dagegen in der Biologie: Dort sitzt sie mit 400 anderen Studierenden in einem Hörsaal. Die Arbeit im Labor bietet ihr hingegen einen sehr praktischen Ansatz.

Seit 2011 ist Marie-Therese Werner Mitglied der „Studentischen Förderinitiative der Naturwissenschaften e.V“ und organisiert für das Wintersemester 2012/13 eine Allgemeine Schlüsselqualifikation (ASQ) zum Thema Bioethik. Dieses Projekt soll angehende Wissenschaftler anregen ihr Handeln ethisch und moralisch zu hinterfragen – eine Arbeitsweise, die für Werner eng mit der Theologie verbunden ist. „Ich wünsche mir, dass dieser Weg von mehr Naturwissenschaftlern eingeschlagen wird“, erklärt die Studentin.

Als angehende Lehrerin möchte Werner ihren zukünftigen Schülern einen offenen Umgang mit Religion vermitteln, deren Stärken sowie Schwächen herausarbeiten. „Die Schüler sollen lernen, reflektiert, begründet und vorurteilsfrei über Religion zu reden, ob sie sich nun am Ende für oder gegen den Glauben entscheiden“, erklärt sie weiter. Sie will ihren Schülern zeigen, dass das Leben nicht auf vorgefertigten Bahnen verläuft und nur durch Formeln und Fakten erklärt werden kann. Sarah Huke

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