Ausstellung zeigt Winckelmanns Leben und Wirken

06.04.2017 von Corinna Bertz in Varia
Die erste große Ausstellung zu Johann Joachim Winckelmann eröffnet morgen, 7. April, im Neuen Museum Weimar: Im Jahr seines 300. Geburtstags werden das Leben und Werk des einflussreichen Kunstkritikers und Schriftstellers anhand von hochkarätigen Exponaten erstmals umfänglich präsentiert. Die Humboldt-Professorin Elisabeth Décultot von der Uni Halle hat „Winckelmann. Moderne Antike“ gemeinsam mit der Klassik Stiftung Weimar konzeptioniert und kuratiert.
Für sein Stilmodell ist Winckelmann berühmt. Im Neuen Museum Weimar wird es anhand von Gips-Abgüssen dargestellt.
Für sein Stilmodell ist Winckelmann berühmt. Im Neuen Museum Weimar wird es anhand von Gips-Abgüssen dargestellt. (Foto: Candy Welz / ©Klassik-Stiftung Weimar)
Elisabeth Décultot
Elisabeth Décultot
(Foto: Maike Glöckner)

Gespannt blickt Prof. Dr. Elisabeth Décultot der Ausstellungseröffnung entgegen. „Jetzt sind alle Hürden überwunden“, sagt die Professorin für Neuzeitliche Schriftkultur und europäischen Wissenstransfer. Mehr als 200 Plastiken, Schriften, Gemälde und andere Exponate aus Europa und den USA hat sie gemeinsam mit ihrem Team um die Literaturwissenschaftlerin Dr. Claudia Keller und den Germanisten Dr. Martin Dönike gemeinsam mit der Klassik Stiftung Weimar für die Schau zusammengetragen.

Erstmals lässt sich jetzt das vielschichtige Leben und Wirken des Johann Joachim Winckelmann auf 1.000 Quadratmetern nachvollziehen. Schon bevor sie 2015 nach Halle berufen wurde, hatte Décultot der Klassik Stiftung die Idee vorgestellt. „Ich wollte eine Ausstellung, die eine neue Perspektive auf Winckelmann bietet. Denn sein Werk und dessen Rezeption sind visuell extrem interessant und vielfältig“, so die Aufklärungsforscherin. Seit bald 20 Jahren beschäftigt sich die renommierte Expertin für die Schriftkultur des 17. bis 19. Jahrhunderts mit seinen Texten.

Kunst, Politik und die „Unbezeichnung der Geschlechter“

Wie weit sein Einfluss bis heute reicht, verdeutlicht der zweite Teil der Ausstellung: Dort ist zu sehen, wie und von wem Winckelmanns visionäre Ideen zu Politik, Ästhetik und Anthropologie aufgegriffen wurden. Als einer der Ersten habe er beispielsweise die beiden Aspekte Kunst und Demokratie verknüpft, so die Humboldt-Professorin. „Er hat die These aufgestellt, dass die Griechen so große Künstler werden konnten, weil sie auch freie Menschen waren. Dieser Gedanke war während der französischen Revolution ein großes Thema. Damals wurde Winckelmann in Frankreich überall gelesen.“

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung
(Foto: Candy Welz / ©Klassik-Stiftung Weimar)

Anthropologen und Künstler haben sich wiederum intensiv mit seiner Theorie des Schönen auseinandergesetzt. „Winckelmann hat auch die Frage nach dem Übergang von der Natur zur Kunst beschäftigt: Was gilt als schön und woher kommt die Schönheit? Ist sie ein Ideal oder kommt sie aus der Natur?“ Über die Schönheit der antiken griechischen Statuen konnte Winckelmann, der die Kunst stets sinnlich erfassen und beschreiben wollte, geradezu ins Schwärmen geraten.

Androgyne Körper, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen lassen, sondern „unbezeichnet“ bleiben, erhob er zum Schönheitsideal. Zeitgenössische Künstler, die sich direkt auf seine Überlegungen zur „Unbezeichnung der Geschlechter“ beziehen, sind ebenfalls im Neuen Museum Weimar zu sehen: „Wir zeigen Fotografien von Bettina Rheims aus der Serie ‚Gender Studies‘, in denen sie traditionelle Geschlechterrollen hinterfragt.“ Denn auch im Umgang mit Gender-Fragen darf Winckelmann, der im 18. Jahrhundert als einer der ersten Gelehrten offen über seine Homosexualität schrieb, als Vorreiter gelten.

Informationen zur Jubiläumsausstellung in Weimar „Winckelmann. Moderne Antike“ ist vom 7. April bis zum 2. Juli im Neuen Museum Weimar, Weimarplatz 5 zu sehen. Komplettiert wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Rahmenprogramm sowie einen 352-seitigen Katalog. Das Projekt ist eine Kooperation des Lehrstuhls für Neuzeitliche Schriftkultur und europäischen Wissenstransfer an der Uni Halle mit der Klassik Stiftung Weimar. Es wird unterstützt von der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Alexander von Humboldt Stiftung und ist in Zusammenarbeit mit dem Schwulen Museum in Berlin entstanden. Mehr über das Projekt auf den Lehrstuhl-Seiten von Prof. Dr. Elisabeth Décultot

Winckelmann-Veranstaltungen an der Uni Halle

Mit einer Ringvorlesung, Workshops und Ausstellungen macht die Universität Halle im Jubiläumsjahr auf das Werk ihres einstigen Studenten aufmerksam. So wird die Weimarer Ausstellung in Halle von der Ringvorlesung "Winckelmann. Moderne Antike" begleitet. Im Universitätsmuseum im Löwengebäude wird vom 7. Dezember bis zum 28. Januar 2018 zudem die Ausstellung "Camillo Paderni und Johann Joachim Winckelmann" gezeigt. Ausführliche Informationen zum weiteren Programm folgen in Kürze.

Kontakt: Prof. Dr. Elisabeth Décultot
Lehrstuhl für Neuzeitliche Schriftkultur und europäischen Wissenstransfer
Tel.: +49 345 55-23594
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