Alte Melodien in die Welt zurückgeholt

08.10.2013 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Campus
Diana Matut spielt Klavier, Orgel, Blockflöte und seit kurzem Nyckelharpa. An der MLU lehrt und forscht sie am Seminar für Judaistik/Jüdische Studien. Ihre Arbeit zu altjiddischem Liedgut fließt in das Spiel ihrer Band simkhat hanefesh ein.

Wenn Dr. Diana Matut mit ihrer Band simkhat hanefesh – hebräisch für „Freude der Seele“ – auf der Bühne steht, wird man in die Zeit der Renaissance und des Barock zurückversetzt. Die Musiker führen Lieder der westjiddischen Kultur auf, die nach 1800 unterging. „Wir singen in einer Sprache, die heute so nicht mehr gesprochen wird“, erklärt Matut, die Mitarbeiterin am Seminar für Jüdische Studien der MLU ist. „Wer Judaistik studiert, der hat über 5000 Jahre Geschichte, Architektur, Literatur, Philosophie, Musik et cetera vor sich. Man weiß nicht, wo man mit der Forschung aufhören soll.“

So fließen ihre Forschungsergebnisse zu altjiddischem Liedgut direkt in das Spiel von simkhat hanefesh ein. „Wenn wir Glück haben, finde ich die Melodie der Lieder. Wir müssen dann die Basslinie selbst dazu schreiben und improvisieren zum großen Teil die übrigen Stimmen im Stil der Zeit dazu“, erzählt die Editorin des European Journal of Jewish Studies. Gesungen werden religiöse Festtagslieder über Hochzeiten, Beschneidungen, Purim, Chanukka etc., aber auch Rätsel-, Liebes-, Tanz- und Psalmenlieder aus der Zeit des 16. bis 19. Jahrhunderts.

Bild rechts: Wenn wir Glück haben, finde ich die Melodie der Lieder.“ Dr. Diana Matut (Mitte) und simkhat hanefesh.
Bild rechts: Wenn wir Glück haben, finde ich die Melodie der Lieder.“ Dr. Diana Matut (Mitte) und simkhat hanefesh.
(Foto: Antje Seeger)

Diana Matut hat ihr Leben lang Musik gemacht. „Bei uns zu Hause war Hausmusik gang und gäbe“, erzählt die Sängerin und Multi-Instrumentalistin. Seit frühester Kindheit singt sie, spielt Blockflöte, Klavier und Orgel. Vor kurzem ist die Nyckelharpa dazu gekommen, das Volksinstrument Schwedens. Ähnlich einer Geige hat es zwar vier Spielsaiten und wird mit einem Bogen angestrichen, wird allerdings über Tasten gespielt.

„Musik nimmt einen großen Platz in meinen Leben ein. Ich arbeite derzeit an vielen kleinen Band-Projekten mit“, erzählt Matut. Unter anderem bereitet sie Lautenlieder und literarische Exzerpte rund um Samuel Pepys vor. Zudem singt sie im Leipziger Kammerchor „Josquin des Préz“. „Mit unseren 16 Sängern sind wir sehr viel unterwegs. Vor Kurzem erst haben wir eine CD mit Musik der Thomaskantoren vor Bach eingespielt“, berichtet sie begeistert.

Zwischendurch gab es Phasen, in denen die Dozentin überlegte, sich ganz der Musik zu widmen und den Universitätsalltag aufzugeben. Doch die derzeitige Kombination aus Arbeit und Musik ist für Matut am Schönsten. Oft wird sie für Vorträge zu ihrer Forschungsarbeit in Verbindung mit der Musik angefragt.

In Paris und New York war sie in diesem Jahr bereits, ebenso als Gastdozentin am Oxford Centre for Hebrew and Jewish Studies. Auch ihre Band tritt europaweit auf. Die Musiker werden vor allem von jüdischen Kulturinstitutionen angefragt und spielen auch auf wissenschaftlichen Konferenzen. „Vor Auftritten proben wir meist drei Tage intensiv am Stück. Wir nehmen die Musik sehr ernst und versuchen, uns immer weiter zu entwickeln“, beschreibt Matut die Arbeit von simkhat hanefesh. Die Band eröffnete im Händelhaus die „Hallenser Jüdischen Kulturtage 2013“, die vom 30. September bis zum 10. Oktober stattfinden.

Christina Naumann

Schlagwörter

Judaistik

Kommentar schreiben