Ab in die Wüste

06.11.2013 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Campus
Sieben Wochen lebte und forschte Stefanie Elste in der Negev-Wüste in Israel. Dort machte sich die Geographie-Studentin ein genaues Bild von der Landschaft, mit der sie sich in ihrer Masterarbeit beschäftigt. Ein PROMOS-Stipendium aus Mitteln des Deutschen Akademischen Austauschdiensts ermöglichte den Studienaufenthalt. Wie sie Land und Leute erlebt hat, berichtet Elste an dieser Stelle.
Allein in der Wüste: Stefanie Elste hat für ihre Masterarbeit die Vegetation in der Negev-Wüste kartiert.
Allein in der Wüste: Stefanie Elste hat für ihre Masterarbeit die Vegetation in der Negev-Wüste kartiert. (Foto: privat)

Als ich das erste Mal auf einen israelischen Markt ging, war das schon ein kleiner Kulturschock: Es war sehr warm, laut und eng und es roch ungewohnt. Alle schrien durcheinander, wie die Marktschreier. Aber ich fand es schön, einmal etwas ganz anderes kennenzulernen. Zum Glück hatte ich vor meiner Abreise noch einen Hebräisch-Kurs gemacht. Ich habe oft auf dem Markt eingekauft und da war es hilfreich, dass ich mich in dem Getümmel einigermaßen verständigen konnte.

In meiner Masterarbeit beschäftige ich mich mit der Entwicklung der natürlichen Vegetation in semiariden Gebieten im Verlauf der Jahreszeiten, welche ich mit Satellitenbildern analysiere. Ich habe das Thema ausgewählt, weil es mich besonders interessierte. Es ist Bestandteil eines Forschungsprojekts zwischen dem Fachbereich Kartographie und Geofernerkundung des Instituts für Geowissenschaften und Geographie der Martin-Luther-Universität und des Remote Sensing Laboratory der Ben-Gurion-Universität in Israel.

Weil ich in Halle nur mit Satellitenszenen arbeite, wollte ich mir vor Ort ein genaues Bild machen. Meine Professorin Cornelia Gläßer hat mich daraufhin auf die PROMOS-Förderung aufmerksam gemacht. Ich habe mich ein wenig im Internet und im PROMOS-Büro informiert, die nötigen Dokumente ausgefüllt und ein Motivationsschreiben mit meinem Forschungsvorhaben, meinen Zielen und einem Zeitplan verfasst. Das war ganz unkompliziert.

Stefanie Elste
Stefanie Elste
(Foto: privat)

Im Frühjahr dieses Jahres bin ich für sieben Wochen ins Kibbuz Sede Boker in der Negev-Wüste gereist. Ich habe zuerst bestimmte Flächen im Satellitenbild ausgewählt und sie dann mit einem GPS-Gerät eingemessen. Danach habe ich dokumentiert, welche Art der Vegetation dort vorhanden ist und wie dicht sie wächst. Außerdem habe ich jeweils Fotos gemacht und Bodenproben genommen. Dabei hat mich ein Mitarbeiter des Instituts begleitet, weil ich meist mit Geräten der Universität gearbeitet habe.

Das Institut der Ben-Gurion-Universität war sehr gut ausgestattet: Alle gängigen Programme waren in den neusten Versionen vorhanden, das Gebäude war neu gebaut und mit vielen Computern ausgestattet. Die Genauigkeit meiner Untersuchungen erhöht sich enorm, denn ich kann die an der MLU errechneten Daten mit den Daten, die ich in Israel gesammelt habe, abgleichen.

Matzen und Meer

Ein großes Thema in Israel ist die Sicherheit. Man wird viel häufiger kontrolliert als man das in Deutschland gewohnt ist. Am Bahnhof gab es die gleichen Sicherheitskontrollen wie am Flughafen und in den Einkaufszentren wurden die Taschen kontrolliert. Und über die ganze Wüste verteilt gab es militärische Stützpunkte, sodass die Busse voller Soldaten waren. Manchmal hat es laut geknallt – die Israelis hat das gar nicht mehr gestört und mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt.

Auch an die kulturellen Gepflogenheiten habe ich mich schnell gewöhnt. Zum Beispiel fuhren am Sabbat nach Sonnenuntergang tatsächlich keine Busse mehr und die Geschäfte und Restaurants waren geschlossen. Das muss man natürlich einplanen. Während des Pessachfests, das an den Auszug der Israelis aus Ägypten erinnert, durfte man zum Beispiel keine gesäuerten Lebensmittel essen. Da wurden in den Supermärkten die jeweiligen Regale verhangen und es gab kein Sauerteig-Brot zu kaufen. Man konnte nur Matzen essen, eine Art Knäckebrot.

An den Wochenenden bin ich viel gereist, zum Beispiel mit einer Studentengruppe nach Jerusalem. Eine wahnsinnig beeindruckende Stadt! Die vielen kleinen Gassen der historischen Altstadt haben ein ganz eigenes Flair geschaffen, irgendwie romantisch und gruselig zugleich. Wir sind auch die Via Dolorosa entlang gegangen, eine Straße in Jerusalem, die nach dem Leidensweg von Jesus von Nazareth benannt wurde. Die Viertel waren von ganz unterschiedlicher Architektur, je nach dem ob sie jüdisch, muslimisch oder christlich waren.

Israel ist auch landschaftlich trotz seiner geringen Größe unglaublich vielfältig. Die Negev – keine Sandwüste, wie man sich das immer vorstellt – ist steinig und felsig. Aber auch bunte Korallenriffe, grüne mediterrane Landschaften, blühende Oasen, pulsierende Multi-Kulti-Städte und natürlich das salzige Tote Meer gibt es zu entdecken.

Protokoll: Anja Nicke Mit PROMOS ins Ausland

PROMOS steht für „Programm zur Steigerung der Mobilität von deutschen Studierenden“. Das Leistungsstipendium setzt dort an, wo Erasmus aufhört. Wer außerhalb von Europa oder fernab der Erasmus-Partnerunis Auslandserfahrung sammeln möchte, kann sich beim Internationalen Büro der MLU um eine PROMOS-Finanzierung bewerben. Studienaufenthalte, Sprachkurse, Abschlussarbeiten oder Praktika werden bis zu sechs Monate aus Mitteln des Deutschen Akademischen Austauschdiensts in unterschiedlicher Höhe gefördert.

PROMOS im Internet: www.international.uni-halle.de/PROMOS

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Geowissenschaften

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